Fast schon ein Säugetier: Aleodon aus Brasilien

17. Juni 2017, 16:30
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Brasilianische Forscher identifizierten einen Vertreter der Synapsiden, der am Ende von deren erster Blütezeit lebte

illustration: voltaire paes neto
Aleodon im Größenvergleich zu Felis silvestris catus.

Porto Alegre – Lange Zeit dachte man, die Säugetiere hätten sich aus Reptilien entwickelt. Inzwischen präsentiert sich das evolutionäre Bild etwas weniger hierarchisch: Noch im Zeitalter des Karbon entwickelte sich aus amphibischen Vorfahren eine Tiergruppe, die ihre Eier auch außerhalb des Wasser ablegen konnte – ein enormer Vorteil.

Und diese Gruppe dürfte sich bereits in ihren Anfangstagen in zwei parallele Linien aufgespalten haben: die Synapsiden, von denen es heute nur noch die Säugetiere gibt, und die Sauropsiden, zu der Vögel und die bunt gemischte Gruppe der Reptilien gehören. Seit gut 300 Millionen Jahren verlaufen diese beiden Entwicklungslinien nebeneinander her – mal prägte die eine Gruppe das Erscheinungsbild der Landfauna, mal war es die andere.

"Säugetierähnliche Reptilien"

Aus dem veralteten evolutionären Modell ist noch der Begriff "säugetierähnliche Reptilien" übriggeblieben: Sie schienen Merkmale von beiden Gruppen zu haben, waren teilweise bereits behaart und vermutlich auch endotherm. Einen bislang unbekannten Vertreter dieser Gruppe konnten nun Forscher der Universidade Federal do Rio Grande do Sul anhand von Fossilien identifizieren, die in Brasilien gefunden worden waren.

Die Spezies, die die Bezeichnung Aleodon cromptoni erhielt, lebte in der späten Trias und gehörte zur Familie der Chiniquodontidae. Andere Aleodon-Arten kannte man bislang nur aus Fundstätten in Afrika – A. cromptoni ist der erste Fund seiner Art vom südamerikanischen Kontinent. Das Tier war ein Räuber und hatte im Vergleich zu späteren Säugetieren noch eine recht beachtliche Größe, wie obige Illustration zeigt.

Wechselspiel der Erdgeschichte

Die Trias war das Zeitalter nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte vor etwa 252 Millionen Jahren. Vor diesem Einschnitt waren die Synapsiden die dominierende Gruppe von Landwirbeltieren. Danach wetteiferten die beiden alten Konkurrenten lange Zeit um ökologische Nischen, bis die Sauropsiden in Form der Dinosaurier schließlich die Oberhand gewannen.

Die Gattung Aleodon lebte in der Spätphase dieses Konkurrenzkampfs: Deutlich kleiner als einige der früheren Synapsiden, aber immer noch größer als die allermeisten Säugetiere der nächsten beiden Epochen, Jura und Kreide, als die Dinos ihren Zenit erreichten. Erst am Ende der Kreidezeit schwang das Pendel wieder in die andere Richtung aus und die Synapsiden erlebten eine neue Blütezeit, die bis heute anhält. (jdo, 17. 6. 2017)

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