Tückisch: Wenn erst das Opfer selbst Spinnenseide klebrig macht

16. Juni 2017, 13:08
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Forscher untersuchten zwei ganz verschiedene Arten von Fangfäden

Linz – Wenn es um die Wirkungsweise ihrer Fangfäden geht, lassen sich Webspinnen in zwei Gruppen einteilen: Die einen produzieren Fäden, auf denen sich winzige flüssige Klebstofftropfen befinden, während die Fäden der anderen völlig trocken sind – und trotzdem wird damit Beute gefangen. Über den genauen Mechanismus, der ein Insekt an einen trockenen Faden bindet, herrschte bisher jedoch Unklarheit. Da die Fäden in kurzen Abständen Bäusche aus feiner Fangwolle aufweisen, wurde unter anderem ein Prinzip ähnlich dem eines Klettverschlusses vermutet.

In einer aktuellen Studie haben Forscher aus Deutschland und Österreich den Vorgang nun genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellten sie fest, dass die Wachsschicht, mit der viele Insekten überzogen sind, um sich vor Austrocknung zu schützen, einen wesentlichen Faktor darstellt. Kommt sie in Berührung mit einem Fangwollebausch, so saugt dieser das Wachs auf wie der Docht einer Kerze. Wachs und Fasern bilden dabei eine Art faserverstärkten Kunststoff, aus dem es für das Insekt kein Entrinnen mehr gibt. Die Studie wurde im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

So ausgeklügelt wie fatal

"Im Grunde bringt das Insekt seine eigene Falle mit", sagt Werner Baumgartner, Leiter des Instituts für Medizin- und Biomechatronik der Universität Linz und einer der Autoren der Studie. Neben genauen Untersuchungen unter dem Rasterelektronenmikroskop führten die Forscher auch Experimente durch, um die Klebekraft der Fäden auf verschieden Materialien zu ermitteln. Dabei stellte sich heraus, dass sie etwa auf reinem Metall deutlich schlechter haften als auf Insekten. Ist die Metalloberfläche dagegen mit der gleichen dünnen Wachsschicht überzogen, haftet der Faden stark daran. Umgekehrt bleiben Insekten, deren Wachschicht entfernt wurde, kaum an den Fäden hängen.

Die neuen Erkenntnisse stoßen nun auch Diskussionen zur Evolution der unterschiedlichen Arten von Spinnen an. Jene, die trockene Netze produzieren, existieren schon länger und es stellt sich die Frage, warum Fäden mit feuchtem Klebstoff überhaupt aufkamen, obwohl sie leicht austrocknen können und somit eigentlich einen Nachteil aufweisen. "Die Antwort könnte sein, dass sich ein Teil der potenziellen Beutetiere verändert hat, um nicht mehr für die trockenen Fäden anfällig zu sein", meint Baumgartner. (APA, red, 16. 6. 2017)

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