Die TCR-Germany-Gölfe am Berg des Bullen

16. Juni 2017, 12:02
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Das Rennen der TCR Germany im Zuge der GT Masters am vergangenen Wochenende in Spielberg war spannender als eine ganze Formel-1-Saison und noch dazu ein steirisches Gipfeltreffen.

Spielberg – Mit einem ziemlich frechen Lächeln auf den Lippen sagt einer seiner Mitarbeiter: "Heute kann der Edi endlich einmal daheim sein Auto herzeigen." Und das macht der Edi gern und sehr oft an diesem Rennwochenende auf dem Red Bull Ring, wo die TCR Germany, die deutsche Touring Car Meisterschaft, im Zuge der GT Masters ihre Rennen fährt.

Edi bedient sich als Schaustück übrigens genau jenes Golf GTI TCR, den DER STANDARD Ende April noch auf der Rennstrecke hinter dem Seat-Werk in Spanien testen durfte und der nun vor dem VW-Motorsport-Zelt steht.

foto: adac motorsport / gruppe c / tim upietz
Um 150.000 Euro fährt man bei Engstler Motorsport im Golf GTI TCR eine Saison in der TCR Germany und darf eigene Sponsoren mitbringen. Will man den TCR-GTI kaufen, ist man ab 90.000 Euro dabei.

Gut schaut er aus, der Wagen. Das finden auch die vielen Menschen, die am Red Bull Ring vorbeikommen, sich mit dem TCR-GTI fotografieren und Edi Löcher in den Bauch fragen. Dabei geht es meist eh nur um die schieren PS. Edi stört das nicht weiter.

Stoasteirisch

Eduard Weidl ist der Leiter Kundensport Volkswagen Motorsport, wie es so klingend heißt, und der Golf GTI TCR, der bei Seat gefertigt wird, ist sein Baby.

Was die Kommunikation mit den Fans in Spielberg zusätzlich erleichtert: Edi ist Steirer und versteht auch das wildeste Stoasteirisch ohne Nachfragen.

foto: adac motorsport / gruppe c / tim upietz

Die Rennsportfans sind vom TCR GTI eindeutig am meisten angetan. Die sportliche Optik, die breiten Radkästen, die Spoiler stehen dem Wagen so gut, dass sofort klar ist: Wenn VW das als legalen Bodykit anbieten würde, hätten sie am Rennwochenende sicher zwei Dutzend davon verkauft.

Josh Files

Weniger begeistert vom TCR-Golf ist der Red Bull Ring selbst. Oder sagen wir es umgekehrt: Der Golf tut sich auf dem ehemaligen Österreichring schwerer als etwa der Honda Civic, mit dem Josh Files beide Rennen dominiert.

foto: adac motorsport / gruppe c / tim upietz

Und das, obwohl das Hauptkriterium der TCR ist, dass alle Autos gleich sind: 2,0-Liter-Turbos, welche die Vorderräder von Autos antreiben, die gleich schwer sind und weder ABS noch ESP verbaut haben. Der Unterschied ist also wirklich marginal. Doch man sieht dann auf der Start-Ziel-Geraden, wie die Civics an den Boliden von Audi, VW, Seat und Opel langsam vorbeiziehen.

Kurse und Verläufe

"Dem Golf GTI TCR kommen vom Drehmomentverlauf eher enge Kurse, wo man viel Traktion braucht, entgegen, dem Civic die schnellen Rennstrecken. Wir freuen uns also schon auf das Rennen in Oschersleben", erklärt Kurt Treml, Sport- und Marketingdirektor bei Engstler Motorsport.

foto: adac motorsport / gruppe c / tim upietz

Der deutsche Rennstall startet heuer mit den Liqui-Moly-TCR-GTIs zum ersten Mal in der TCR. Kurt Treml ist, auch wenn seine Leute heute nicht auf dem Podest stehen werden, von der Serie begeistert, nicht zuletzt, weil durch das Gleichheitskonzept hier viele Duelle stattfinden und "wir heute 22 Autos innerhalb einer Sekunde haben", sagt er stolz.

All-In-Sorglospaket

Das All-in-Sorglospaket in der TCR Germany mit sieben Rennen kostet bei Engstler Motorsport übrigens 150.000 Euro, falls Sie gerade überlegen. Wenn es dann auch noch der Golf sein soll, ist Engstler eh die beste Wahl, denn Kurt Treml ist ebenfalls Steirer und redet nicht zuletzt deshalb mit Edi Weidl schon ganz anders. (Guido Gluschitsch, 16.6.2017)

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