Zwölfmonatige Fake-News-Kampagne: Für 400.000 Dollar zu haben

    15. Juni 2017, 16:55
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    Sicherheitsfirma Trend Micro zeigt in einem neuen Bericht Kosten für Desinformationskampagnen auf

    Das Thema Fake News wird spätestens seit der US-Präsidentschaftswahl vergangenen Herbst heftig debattiert – und wenig spricht dafür, dass das Phänomen online verbreiteter Desinformationen abflauen wird. Sicherheitsforscher von Trend Micro haben nun untersucht, wieviel die Verbreitung von Fake News kostet. Denn oft greifen Verleumdungs- und Propagandakampagnen auf Dienste zurück, die etwa Facebook-Likes oder Retweets auf Twitter anbieten – entweder durch programmierte Bots oder durch menschliche Mitarbeiter.

    Falschmeldungen für 30 Dollar

    Der chinesische Content-Dienst Xiezuobang bietet laut Trend Micro für 30 Dollar eine englischsprachige News-Meldung an, deren Inhalte – und Fakten – der Auftraggeber frei wählen kann. Die russische Firma SMOService schafft es, selbstproduzierte Videos für wenige Minuten auf der YouTube-Startseite auftauchen zu lassen. 2.500 Follower auf Twitter schlagen mit 25 Dollar zu Buche.

    Verleumdungskampagnen

    Trend Micro hat weiters herausgefunden, wieviel ganze Fake News-Kampagnen kosten könnten. Um eine Person zu verleumden, reichen schon 55.000 Dollar. Die Sicherheitsforscher haben für diese Berechnung den Fall des mexikanischen Reporters Alberto Escorcia herangezogen, der wochenlang auf Twitter beschimpft und in Propagandaartikeln verleumdet worden ist. Um echte Menschen zur Teilnahme an einer Demonstration zu bewegen, seien schon Investments von bis zu 200.000 Dollar nötig, so Trend Micro.

    Agenda bestimmen

    Eine zwölfmonatige Fake-News-Kampagne mit einem Budget von 400.000 Dollar soll es sogar schaffen, "eine Reihe von Personen anzuziehen, deren Wahrnehmung und Einstellung sich mit der erwünschten Agenda der Kampagne decken", so Trend Micro. Soziale Medien erleichtern die Verbreitung von Fake-News und die Beeinflussung der politischen Debatte ungemein. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass soziale Medien auch die Teilhabe normaler Bürger verstärken. Gegen Fake News sind eine Reihe von Initiativen im Einsatz. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales plant etwa eine kollaborative Onlinezeitung, Facebook und Google setzen auf professionelle Faktenchecker. (fsc, 15.6.2017)

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