Steakhäusern setzen Babyboomer und Reduktionskost zu

16. Juni 2017, 13:00
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Steak, gebratene Erdäpfel und ein gutes Glas Wein: Das Kernangebot der Steakhäuser leidet unter sinkender Nachfrage

Wien – Sie heißen Smith & Wollensky, Outback oder Fogo de Chao und kämpfen alle mit demselben Problem: Den US-Steakhäusern entschwindet eine wichtige Klientel, denn die Generation der Babyboomer geht nun Schritt für Schritt in Pension. "Diese Gruppe gilt aber als wesentliches Zielpublikum für Eating out", sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Bereich Private Banking der Unicredit Bank Austria. Mit dem Wegfall des Einkommens und dem Auslangen mit der Pension werden die Ausgaben neu geordnet. Folglich wird weniger oft auswärts gegessen.

Zielgruppe Frau

Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem Steakhäuser und auch andere Restaurantketten kämpfen. Weil man von den Wall-Street-Bankern allein nicht mehr leben kann, setzen Steakhausketten verstärkt auf die Zielgruppe der Frauen. Diese essen aber nicht so oft riesige Fleischstücke mit Kartoffeln und trinken dazu teuren Wein. In der Praxis bedeuten mehr weibliche Gäste mehr Salate, mehr Fisch und Meeresfrüchte, leichtere Gerichte und leichtere Weine. Das alles wiederum bedeutet aber auch kleinere Rechnungen. Der Besitzer eines New Yorker Steakhauses fasst es so zusammen: "Männer bestellen zu Steaks und Kartoffeln eine Flasche Wein um 200 Dollar, Frauen zum Fisch eine um 40 Dollar."

Bei den Getränken ist der Wechsel der Klientel für die Restaurantbesitzer besonders spürbar, denn Gewinn wird ob der größeren Margen vor allem bei den alkoholischen Getränken gemacht. Bei Steakhäusern kommt der Umsatz im Schnitt zu rund 30 Prozent von alkoholischen Getränken.

Sättigung im Markt

Dass die Kundenfrequenz bei den Steakhäusern zuletzt rückläufig war, liegt auch daran, dass es anscheinend eine gewisse Sättigung im Markt gibt. Zudem sind die Umsätze in Restaurants (sie sollen heuer nur um ein Prozent steigen) stark an die Trends auf dem Arbeitsmarkt und an den Treibstoffpreis gekoppelt. Beides lief zuletzt eher in die falsche Richtung. "Restaurant-Aktien gehören zum zyklischen Konsum, das heißt, sie atmen mit der Konjunktur mit", sagt Rosen-Philipp. Schwächelt die Wirtschaft, wird auch in diesem Bereich gespart. Die letzten Arbeitsmarktdaten haben jedenfalls nicht überzeugt. In der US-Wirtschaft sind im Mai mit 138.000 neuen Stellen weit weniger Jobs entstanden als erwartet. Ökonomen hatten 185.000 Stellen erwartet. In beiden Vormonaten zusammen entstanden 66.000 Stellen weniger als angenommen.

Der Ölpreis ging zwar wieder etwas zurück, hatte aber davor deutlich zugelegt. Auch das schlägt sich auf das Essverhalten durch. Denn die Leute müssen es sich auch leisten können, mit dem Auto zum Lokal zu fahren. Dass der Ölpreis zuletzt wieder angezogen hat, verändert vor allem das Kaufverhalten der unteren Einkommensschicht. Sie fahren wieder tendenziell dorthin, wo das Essen billig ist, weil die Treibstoffpreise das Budget stärker belasten.

Anleger haben wenig Appetit

Das spiegelt sich – zumindest teilweise – auch an der Börse wider. Das jüngste Beispiel ist Fogo de Chao, deren Papiere an der New York Stock Exchange notieren. Die Aktie der brasilianischen Steakhauskette wurde im Juni des Vorjahres gelistet und für 20 Dollar ausgegeben. Am ersten Handelstag folgte ein Sprung auf 25 Dollar, und seither geht es stetig bergab. Derzeit notieren Fogo-de-Chao-Papiere bei rund 13 US-Dollar. Das Unternehmen hat zuletzt eine Kapitalerhöhung angekündigt, was Anleger zunehmend verunsichert.

Die McDonald's-Aktie liegt im Jahresabstand hingegen rund 20 Prozent im Plus. "Aktien gehören auch zu den vorauslaufenden Indikatoren", fasst Rosen-Philipp zusammen. Daher könnte das auch ein Indikator sein, wohin die Reise essenstechnisch geht. (Bettina Pfluger, 16.6.2017)

  • Ein Kassenschlager kommt in die Jahre: US-Steakhäuser leiden unter rückläufiger Kundenfrequenz. Auch die Wirtschaftsdaten und der Ölpreis beeinflussen die Lust auf gebratenes Fleisch.
    foto: getty images / istockphoto / lisovskaya

    Ein Kassenschlager kommt in die Jahre: US-Steakhäuser leiden unter rückläufiger Kundenfrequenz. Auch die Wirtschaftsdaten und der Ölpreis beeinflussen die Lust auf gebratenes Fleisch.

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