Brand in London: Zahl der Toten gestiegen – Suche nach Opfern unterbrochen

15. Juni 2017, 12:21
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Ränder des Gebäudes strukturell nicht sicher – Chefin: "Ich schicke keine Feuerwehrleute da rein"

London – Die Londoner Feuerwehr hat die Suche nach weiteren Opfern im ausgebrannten Hochhaus vorerst abgebrochen. Die Ränder des Gebäudes seien strukturell nicht sicher, sagte Feuerwehrchefin Dany Cotton am Donnerstag. "Ich schicke keine Feuerwehrleute da rein."

In der Früh, mehr als 24 Stunden nach dem Ausbruch des verheerenden Feuers, kam noch immer Rauch aus dem Haus. Es gebe noch Brandnester, sagte Cotton. Die Feuerwehr habe alle 24 Stockwerke kurz durchsuchen können. Für eine gründlichere Suche müssten vor allem die oberen Stockwerke erst gesichert werden.

Dämmmaterial dürfte Brand beschleunigt haben

Bei dem Großbrand im Grenfell Tower im Stadtteil Kensington kamen mindestens 17 Menschen ums Leben, die Zahl der Todesopfer wurde von Scotland Yard am Donnerstag nach oben revidiert. Niemand wisse, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Feuers in dem Sozialbau aufgehalten hätten, sagte Cotton. Dutzende, darunter ganze Familien, wurden noch vermisst.

Nach Angaben von Bewohnern brannte das Hochhaus, dessen Fassade im Zuge einer größeren Renovierung bis ins vergangene Jahr neu verkleidet wurde, zuerst von außen. Das verbaute Dämmmaterial habe wohl zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen, sagten Experten.

Bewohner beklagten Missstände

Die Betreibergesellschaft KCTMO erklärte, über die langjährigen Klagen der Bewohner über Missstände "auf dem Laufenden" gewesen zu sein. Es sei aber noch zu früh, über die Ursachen des Brandes zu spekulieren. Die für die Renovierung zuständige Firma Rydon erklärte, bei der knapp zehn Millionen Euro teuren Maßnahme seien alle Brandschutz- und Sicherheitsvorschriften eingehalten worden.

Die britische Premierministerin Theresa May hat eine umfassende unabhängige Untersuchung angeordnet. "Wir müssen wissen, was passiert ist, wir brauchen eine Erklärung", sagte sie am Donnerstag. "Das schulden wir den Familien, den Menschen, die ihre Lieben und ihr Zuhause verloren haben."

Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan hatte eine solche Untersuchung gefordert. Die Rettungskräfte hatten berichtet, das Feuer habe sich ungewöhnlich schnell ausgebreitet. Anrainer erheben schwere Vorwürfe, der Brandschutz in dem 24-stöckigen Sozialbau sei mangelhaft gewesen. Polizei und Feuerwehr betonten, für solche Spekulationen sei es noch deutlich zu früh. (APA/dpa, 15.6.2017)

  • Schock und Trauer in London: Mindestens 12 Tote bei einem Hochhausbrand in der Innenstadt. Die britische Premierministerin Teresa May kündigt eine Untersuchung an.
    foto: ap/alistair grant

    Schock und Trauer in London: Mindestens 12 Tote bei einem Hochhausbrand in der Innenstadt. Die britische Premierministerin Teresa May kündigt eine Untersuchung an.

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    foto: reuters/peter nicholls
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