Netzbetreiber wollen aktiv gegen Roaming-Missbrauch vorgehen

17. Juni 2017, 09:54
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Kunden müssen eine "stabile Bindung" vorweisen

Dank der neuen EU-Roaming-Verordnung sind Zusatzkosten fürs Telefonieren, SMSen und Surfen in der gesamten EU und in einigen weiteren Ländern Geschichte. Inländische Einheiten können auch im Ausland genutzt werden. Die Verordnung liegt den großen europäischen Mobilfunkern schwer im Magen, obwohl sie einige Ausnahmen erfolgreich erzwungen haben. So können sie "nationale" Tarife anbieten, die Roaming von vorneherein ausschließen.

Fair-Use-Policy

Auch können sie eine Obergrenze für die Internetnutzung festlegen – Fair-Use-Policy nennt sich diese Regelung. Überschreiten die Kunden diese Grenze, dürfen Anbieter Aufschläge erheben. Der Provider muss die Grenze allerdings mitteilen und einen Hinweis absetzen, wenn das erlaubte Datenvolumen erreicht wird. Meist liegt das Limit über der Hälfte des Datenvolumens. Die weitere Internetnutzung kostet dann maximal 7,70 Euro je Gigabyte plus Mehrwertsteuer, insgesamt also knapp 9 Euro. Für Telefonate und SMS gibt es kein Limit.

Österreich ist billiger als Deutschland

Auch können sich Konsumenten nicht einfach in einem EU-Land mit günstigeren Tarifen eine SIM-Karte besorgen und dann in ihrem Heimatland dauerhaft zu günstigen Konditionen mobil surfen. Es lassen sich nur SIM-Karten des EU-Landes nach den neuen Roaming-Regeln nutzen, in dem sich der Nutzer am häufigsten aufhält. Wer sich daran nicht hält, riskiert Mehrkosten von knapp 3,80 Cent pro Minute, rund 1,20 Cent pro SMS und circa 9 Euro pro Gigabyte.

Einige deutsche Handynetz-Betreiber haben trotzdem Angst davor, dass sich Kunden nun in Österreich mit vergleichsweise billigen Verträgen und Wertkarten-Simkarten eindecken.

Netzbetreiber sind auf Missbrauch durch Roaming vorbereitet

Doch die österreichischen Netzbetreiber sind auf Missbrauch durch Roaming vorbereitet, wie das Infoportal 4G.de meldet. Bei A1 setzt man auf einen "Identitätsnachweis bei Vertragsabschluss", hier zeige sich sehr schnell, ob jemand seinen "Lebensmittelpunkt in Österreich hat". Der Anbieter Hutchison Drei Austria wird beim Thema Roaming Missbrauch "sicherlich wachsam" sein und auch hier muss der Neukunde vor Vertragsabschluss einen "Nachweis einer stabilen Bindung an Österreich" vorlegen.

T-Mobile setzt darauf, den "Österreich-Bezug" der jeweiligen Neukunden genau zu prüfen. Kann hier kein klarer Nachweis erfolgen, wird ein Mobilfunkvertrag verwehrt.

Häkchen auf der Webseite

Lockerer sieht das Problem der Diskonter Hot. Dem Mobilfunker reicht es, wenn Kunden mittels Häkchen auf der Webseite bestätigen, dass sie über eine "stabile Bindung" zu Österreich verfügen. Hot-Chef Michael Krammer rechnet aber nicht damit, dass er nun zahlreiche neue Kunden aus dem Ausland gewinnen wird. Die Telefonnummer ist ein Hindernis, sagte er vergangene Woche bei einem Pressegespräch. (sum, 17.6.2017)

  • Dank der neuen EU-Roaming-Verordnung entfallen seit 15. Juni die Zusatzkosten fürs Telefonieren, SMSen und Surfen in der gesamten EU und in einigen weiteren Ländern.
    foto: apa

    Dank der neuen EU-Roaming-Verordnung entfallen seit 15. Juni die Zusatzkosten fürs Telefonieren, SMSen und Surfen in der gesamten EU und in einigen weiteren Ländern.

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