Sportclubplatz-Sanierung fixiert: 5.000 Arbeitsstunden für ein Halleluja

14. Juni 2017, 18:32
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Die Stadt Wien bewilligt die notwendige Subvention für die überfällige Stadionsanierung. Zwei Varianten wurden ausgearbeitet, Investoren werden weiter gesucht

Wien-Hernals – Gut Ding braucht bekanntlich Weile, gerade in Wien und somit auch in Dornbach, wo seit vier Jahren rund um den ältesten noch bespielten Fußballplatz Österreichs – das Stadion wurde 1904 errichtet – getüftelt, verhandelt, gestritten, geplant und notdürftig saniert wurde, um das schwer baufällige Stadion an der Alszeile vor dem Verfall zu retten. Nun steht einer Erneuerung des Sportclubplatzes südlich des Dornbacher Friedhofs nichts mehr im Weg, da am Montag das Subventionsansuchen des Vereins von der MA 51, dem Sportamt, bewilligt wurde, und zwar mittels eines einstimmigen Gemeinderatsbeschlusses.

foto: standard/hirner
So soll das neue Stadion des Wiener Sportklubs aussehen.

Gut vier Jahre ist es her, dass Baumeister Manfred Tromayer Präsident des Wiener Sportklubs wurde. Seit seinem Amtsantritt kämpfte er unermüdlich und mit höchster Priorität um die Rettung des Sportclubplatzes. Gemeinsam mit unterschiedlichen Teams arbeitete er verschiedene Lösungen aus, führte unzählige Gespräche und Verhandlungen mit Vertretern des Bezirks, der Stadt und der zuständigen Magistrate.

Zwei Varianten

Nun aber ist ein großer Schritt gelungen, bis September soll den Vereinsmitgliedern ein Konzept vorgelegt werden, wie genau es weitergeht. Prinzipiell denkbar sind zwei Varianten, eine größere und eine kleinere Lösung. Für die umfangreichere und daher auch teurere Version müssten aber noch Investoren gefunden werden, die zu den 6,84 Millionen Euro der Stadt weitere sechs Millionen beisteuern. WSK-Präsident Tromayer bat daher im Rahmen eines Medienbrunchs am Mittwoch auf dem Spielfeld des Sportclubplatzes um finanzielle Unterstützung: "Ich möchte mögliche Investoren aufrufen, bei diesem Gemeinschaftsprojekt mitzuwirken!"

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WSK-Präsident Manfred Tromayer verkündet die frohe Botschaft.

Seit September letzten Jahres ist man dabei, konkrete Konzepte auszuarbeiten und Gespräche zu führen, jetzt erst kann es ins Detail gehen. "Wir haben die Zusage von der Stadt, dass wir das Geld bekommen, haben somit das Fundament und können nun an die große Lösung denken. Die Planungen für beide Varianten sind abgeschlossen. Ich kann nicht garantieren, dass wir die große Lösung schaffen, aber wir wollen in diese Richtung arbeiten. Und wir hoffen bis zur letzten Minute, dass wir es schaffen."

Der Weg bis zum aktuellen Status quo war ein weiter und steiniger. "5.000 Arbeitsstunden wurden in den letzten vier Jahren in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sportamt aufgebracht, um das zu schaffen, was heute gefeiert wird", sagte Tromayer erleichtert.

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Die Friedhofstribüne harrt geduldig einer Renovierung. In zwei, drei Jahren soll es endlich so weit sein.

Damit während der Bauphase in Dornbach weitergespielt werden kann, wird mit Ende der nächsten Herbstsaison die Kainzgassen-Tribüne abgerissen und das Spielfeld eben dorthin verschoben, um auf der gegenüberliegenden Seite genügend Platz für Abriss und Neubau der Haupttribüne zu schaffen. In zwei, drei Jahren soll dann die Friedhofstribüne – die Fantribüne – an die Reihe kommen und saniert werden.

"Es ist ein wunderschöner Tag, aber nicht nur, weil das Wetter so schön ist." Mit diesen Worten begann Andreas Mailath-Pokorny seine Rede. Er selbst hat auf diesem Platz vor Jahrzehnten sein erstes Bundesligamatch, damals noch Nationalliga, live miterlebt, als sich der Sportclub und Wacker Innsbruck in einem Spitzenmatch der höchsten heimischen Spielklasse matchten.

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Tromayer lauscht den Worten von Sportstadtrat Mailath-Pokorny.

Nun, eine halbe Ewigkeit später, zeigte sich der Sportstadtrat erfreut, dass "wir ein langes, langes Projekt von der Planung und Beschlusslage zu einem Ende bringen konnten. Es ist eine Investition, die die Stadt Wien sehr gern und aus großer Überzeugung tätigt, weil der Sportklub ein ganz wichtiger Verein mit einem großen Rückhalt und Verankerung in Hernals ist." Schließlich gehe es ja nicht nur um die Spieler auf dem Rasen, "es geht auch um Familien und Fanklubs, und es geht auch nicht nur um eine Tribünensanierung, sondern um ein Bekenntnis zu einem traditionsreichen Klub. Denn der Fußball ist mehr als Sport, da geht es um Integration, Gesundheit, da geht es darum, Jugendlichen, ganzen Familien einen Sinn zu geben."

Erst Rapid, dann Austria, nun der Sportklub

Vermutlich war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Stadt nach den Subventionen für Rapids "Schmuckkästchen" und das gerade im Bau befindliche Stadion der Austria nun "die dritte größere Investition" für einen Wiener Fußballverein beschließt.

Der Nachwuchs ist für Tromayer eine Herzensangelegenheit, doch die Ausbildungsbeiträge der Eltern decken die Kosten nicht ab. "Kein Verein von der Größe und der Struktur des Sportklubs kann ein Trainingszentrum betreiben und gleichzeitig die Infrastruktur erneuern, ohne Hilfe von außen zu erhalten", sagt der Baumeister, der auf die soziale Ader des Vereins verweist. Man will "Kinder weg von der Straße holen und zum Sport animieren, sodass sie eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung haben".

Fest steht, dass unter dem Stadion keine Millionen verschlingende Tiefgarage gebaut wird. Der Verein hat einen Antrag bei der MA 12 um Reduzierung der Parkplatzverpflichtung gestellt. Dadurch will man erreichen, dass bis zu 90 Prozent weniger zusätzliche Parkplätze geschaffen werden müssen.

Tromayer hofft, dass der Zuschauerschnitt weiter steigen wird. Zu Beginn seiner Amtszeit 2013 waren es durchschnittlich rund 1.400, nun sei man in etwa bei 2.000. "Wer mich kennt, weiß, dass ich damit nicht zufrieden bin. Ich will diesen Wert deutlich toppen, sofern ich nach Ende dieses Monats noch Präsident bin." Seine Amtszeit endet nämlich, und er "weiß im Moment nicht, wie es weitergeht. Das steht in den Sternen." (Thomas Hirner, 14.6.2017)

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