Bei VW Slovakia könnte ab nächster Woche erstmals gestreikt werden

14. Juni 2017, 17:36
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Lohnverhandlungen nach elf Runden gescheitert – Gewerkschaft fordert 16 Prozent mehr Lohn, Werksleitung bietet die Hälfte

Bratislava – Dem Autobauer VW Slovakia in Bratislava steht ab Dienstag nächster Woche (20.6.) der erste Streik seit der Gründung der slowakischen VW-Niederlassung im Jahr 1991 bevor. Nachdem am Freitag auch die elfte Runde der Lohnverhandlungen ohne Einigung zu Ende ging, hat die Gewerkschaft heute, Mittwoch, via Facebook einen unbefristeten Streik angekündigt.

Mehr als die Hälfte der Gewerkschaftsmitglieder in der Autofabrik habe dem Streik zugestimmt, heißt es in der Mitteilung. Wie viele der insgesamt 12.300 Arbeitnehmer sich daran beteiligen werden, steht derzeit noch nicht fest. Es handelt sich um die erste Arbeitsniederlegung bei VW in der Slowakei seit der Ansiedlung des deutschen Autokonzerns 1991.

Die Gewerkschafter hatten Lohnsteigerungen von 16 Prozent gefordert. Die Werksleitung hatte hingegen nur 4,3 Prozent in diesem und weitere 4 Prozent im nächsten Jahr angeboten sowie eine Einmalzahlung von 350 Euro pro Mitarbeiter. Das lehnten die Gewerkschafter als unzureichend ab. Der Durchschnittslohn bei VW Slovakia liegt schon derzeit mit rund 1.800 Euro deutlich über dem Landesdurchschnitt.

"Diese Situation ist ungut und wenig erfreulich, der Arbeitgeber hat aber unsere Forderungen überhaupt nicht in Betracht gezogen", erklärte Gewerkschaftschef Zoroslav Smolinsky. Diese seien aber anhand der sehr guten Geschäftsergebnisse berechtigt. Ein Streik bedeute einen völligen Produktionsstopp in der Autofabrik, erklärte Smolinsky. Er selbst erwartet eine Streikbeteiligung von rund 80 Prozent.

Die Werksleitung bezeichnete in einer am Mittwoch verbreiteten Pressemitteilung die Streikausrufung als "mangelnde Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen". Die Forderungen der Gewerkschaft seien nicht annehmbar, würden die Konkurrenzfähigkeit des Betriebs und damit die Interessen des Unternehmens sowie der Mitarbeiter selbst schädigen, hieß es.

Gemessen an der Einwohnerzahl ist die Slowakei der weltweit größte Autoproduzent, 2016 wurden laut Angaben des Autoindustrieverbandes ZAP 191 Autos pro 1.000 Einwohner hergestellt. Nach den Autokonzernen VW, Kia und PSA Peugeot Citroen ist mit Jaguar Land Rover bereits ein vierter Autobauer dabei, sich im Land anzusiedeln. Zunehmend beklagen aber Firmen aus der Autobranche immer akuteren Arbeitskräftemangel.

Bei VW Slovakia werden fünf Automodelle unter einem Dach produziert – aktuell der VW Touareg, der Audi Q7, der VW up, Skoda Citigo, Seat Mii und Karosserien für den Porsche Cayenne. Rund 99 Prozent der Produktion werden in 148 Länder der Welt exportiert, vor allem nach Deutschland, die USA und China. VW stellt in Bratislava auch Getriebe her und hat im Land drei weitere Produktionsbetriebe in Martin, Stupava und Kosice.

In der Slowakei ist VW mit Abstand der größte private Arbeitgeber. Im Vorjahr wurden 388.687 Autos produziert, der Umsatz erreichte 7,6 Mrd. Euro und der Gewinn vor Steuern lag 2016 bei 234,1 Mio. Euro. (APA, 14.6.2017)

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