Ausgewiesener Reporter wirft Türkei "Jagd auf Medien" vor

14. Juni 2017, 13:02
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Fotoreporter Mathias Depardon kritisiert Druck der Regierung auf Journalisten

Ankara – Der aus der Türkei ausgewiesene Fotoreporter Mathias Depardon hat der Führung in Ankara eine "Jagd auf die Medien" vorgeworfen. Es sei für Journalisten in der Türkei "extrem kompliziert, wenn nicht gar unmöglich" geworden, frei zu arbeiten, sagte der französische Fotograf am Mittwoch dem Sender Europe 1.

"Der Druck ist enorm, sei er finanziell oder anderer Art. Die Regierung hat eine wahre Jagd auf die Medien gestartet." Depardon war am Freitag von der Türkei ausgewiesen worden, nachdem er einen Monat lang in einem Abschiebezentrum bei Gaziantep festgehalten worden war. Er war am 8. Mai im Südosten nahe Hasankeyf festgenommen worden, als er an einer Reportage für das Magazin "National Geographic" arbeitete. Als Grund für seine Festnahme wurde genannt, dass er ohne Presseausweis tätig war.

Kein formelles Ermittlungsverfahren

Nach seiner Rückkehr nach Paris sagte er, ihm sei wegen früherer Fotos Unterstützung für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorgeworfen worden. In Europe 1 sagte er, seine Haftbedingungen seien "relativ gut" gewesen. "Ich wusste, dass ich rauskommen würde. Es war eine Frage der Zeit", sagte er. Dennoch habe er im Mai einen sechstägigen Hungerstreik abgehalten, um den Prozess zu beschleunigen.

Anfang Juni setzte sich der französische Präsident Emmanuel Macron persönlich bei seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan für die Freilassung Depardons ein. Anders als im Fall des inhaftierten "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel gab es kein formelles Ermittlungsverfahren der türkischen Behörden gegen Depardon. Auch saß er nicht im Gefängnis, sondern in Erwartung seiner Ausweisung in einem Abschiebezentrum. (APA, 14.6.2017)

Nachlese

Französischer Fotoreporter nach Haft in der Türkei wieder zu Hause – Depardon war ein Monat lang in Gaziantep in Gefängnis

Türkei: Französischer Fotoreporter nach Festnahme im Hungerstreik – Ermittlungen gegen "National Geographic"-Mitarbeiter wegen Terrorpropaganda

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