Bügeleisen: Das einträgliche Streben nach Faltenfreiheit

16. Juni 2017, 06:00
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Es schadet nie, mehrere Eisen im Feuer zu haben. Diese Einschätzung teilen auch Anlageberater

Wien – Kleider machen Leute. Hochwertige Stoffe waren schon immer auch ein Statussymbol. Nur wer genug Geld im Säckel hatte, konnte sich in Samt und Seide kleiden. Noch feiner war, wessen Gewänder möglichst faltenfrei waren. Im 16. Jahrhundert demonstrierte man mit streng gefalzten Krägen, dass man sich etwas leisten konnte. Um 1900 kamen scharfe Hosenfalten auf, mit denen die feinen Herren ihre soziale Überlegenheit den Arbeitern gegenüber verdeutlichten.

Das Mittel zum Erreichen oben genannter Zwecke waren: Bügeleisen. Dass sich Knitter in Textilien erheblich besser und effizienter durch Einwirkung von Hitze entfernen ließen, erkannten vermutlich zuerst die Chinesen. Sie füllten bereits vor mehr als 2000 Jahren glühende Kohlen oder Sand in eine Metallpfanne. Zwei oder mehr Helferinnen hielten den Stoff an den Enden fest und bewegten das Gerät langsam darüber.

Um das 15. Jahrhundert herum tauchten die ersten dokumentierten Bügeleisen in Europa auf. Sie wurden aus massivem Stahl oder Eisen, an die ein eiserner Griff befestigt war, geschmiedet und wiesen bereits die heute noch gebräuchliche Bootsform auf. Sie zu bedienen bedurfte Kraft, wogen sie doch bis zu acht Kilogramm.

Nachfolger mit Hintertürchen

Schon etwas leichter waren ihre Nachfolger, die innen hohl waren. Sie wiesen ein Hintertürchen auf, in das ein im oder auf dem Ofen erhitztes Eisenteil geschoben werden konnte. Um Zeit zu sparen, besaßen Haushalte mit reicher Ausstattung mehrere dieser Einlegeeisen, die abwechselnd genutzt wurden. Womit erklärt ist, woher das Sprichwort "mehrere Eisen im Feuer haben" stammt.

Nach wie vor uncool war jedoch, dass man sich an diesen Bügelgeräten leicht die Finger verbrennen konnte. Ein Überzug der massiven Griffe, die teilweise als schmucken Figuren gestaltet wurden, aus isolierenden Materialien wie Leder oder Holz bot in späteren Jahren einen gewissen Schutz. Eine fingerschonende Abhilfe wurde – in diesem Fall naturgemäß – von einer Frau erfunden. 1871 kam Mary Florence Potts in Ohio auf die Idee, nicht nur die Decke von Bügeleisen mit Asbest, sondern die Geräte mit einem abmontierbaren Griff zu versehen. In die Geschäfte kamen nun Bügeleisensets, die sich aus einem Handgriff und bis zu vier Eisen zusammensetzten.

Ein anderer Ansatz, der ein kontinuierliches Bügeln ermöglichen sollte, waren Plätteisen, in die heiße Kohlen gefüllt wurden. Deren Nachteil war, dass fliegende Asche das saubere Wäschestück verunreinigte. Als problematisch, gar gefährlich bewiesen sich auch mit Spiritus oder Gas befeuerte Bügeleisen. Kein Wunder, dass das elektrische Bügeleisen (1882 meldete der US-Amerikaner Henry Seely das erste Patent dafür an) bei Dienstmägden und Hausfrauen auf wachsenden Zuspruch traf.

Bügeleisen-Fangemeinde

Für das Sammeln von Bügelapparaten mag sich heute nur eine kleine Fangemeinschaft erwärmen. Vielleicht ist die damit verbundene Tätigkeit schlichtweg bei den meisten Menschen zu unbeliebt. Dabei kann die Nachfrage auf Onlineplattformen als durchaus konstant bezeichnet werden, wie der im Burgenland lebende Wiener Sammler Michael Schinko zu berichten weiß.

foto: privat/schinko
Ein Wiener Sammler kaufte um das Jahr 2000 an die 50 Bügeleisen für 2000 Schilling. Verkaufswert heute: um die 30 Euro, das Stück.

Er selbst ist zu seiner Kollektion aus einer Laune heraus geraten. Anfang der Jahrtausendewende sei er in Wien zufällig in eine Auktion gestolpert, in der unter anderem ein ganzer Berg alter Bügeleisen (listig gekrönt von einem besonders schönen) feilgeboten wurde. Daneben ein Schild: 800 Schilling – für den ganzen Haufen. Ganz so billig sollte er jedoch nicht davonkommen. Ein Antikhändler steigerte mit – bis 1900 Schilling, Schinko erhielt rund 50 Stück für 2000 Schilling (heute rund 290 Euro) zugesprochen.

Weil er über die Jahre hinweg einfach zu viel Gerümpel angesammelt habe, trenne er sich jetzt sukzessive von ihnen. Erst vor kurzem habe er drei Stück verkauft, wofür er insgesamt 110 Euro bekommen habe. Die Käuferin: eine aus dem Ursprungsland der Bügeleisen stammende Restaurantbesitzerin. (Karin Tzschentke, 16.6.2017)

  • Für das Sammeln von alten Bügeleisen mag sich zwar nur eine kleine Fangemeinde erwärmen.  Die Nachfrage auf Onlineplattformen kann aber durchaus als konstant bezeichnet werden.
    foto: dragan smiljkovic

    Für das Sammeln von alten Bügeleisen mag sich zwar nur eine kleine Fangemeinde erwärmen. Die Nachfrage auf Onlineplattformen kann aber durchaus als konstant bezeichnet werden.

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