Regierung bleibt hart: Rom soll zusätzlich 2.000 Migranten aufnehmen

    14. Juni 2017, 08:22
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    Streit zwischen Innenministerium und römischer Bürgermeisterin Raggi: "Hauptstadt muss ihren Teil der Verantwortung übernehmen"

    Rom – Zwischen der italienischen Regierung und der Stadt Rom herrscht Spannung um die Flüchtlingsaufnahme. Das Innenministerium reagiert kritisch auf ein Schreiben von Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi, die keine Flüchtlinge mehr in der Hauptstadt aufnehmen will.

    Angesichts des anhaltenden Flüchtlingsstroms und der Aussicht, dass bis Ende 2017 200.000 Migranten in Italien eintreffen würden, müsse Rom seinen Teil der Verantwortung übernehmen und weitere 2.000 Migranten aufnehmen, verlautete nach Angaben italienischer Medien aus dem Innenministerium in Rom.

    180.000 Migranten in Italien versorgt

    In einem Schreiben an Präfektin Paola Basilone betonte die römische Bürgermeisterin, dass die italienische Hauptstadt bereits einem zu großen Druck wegen der massiven Flüchtlingsankünfte der letzten Monaten ausgeliefert sei. Neue Ankünfte würden für die Stadt zusätzliche Kosten bedeuten. Rom sei nicht mehr in der Lage, weitere Migranten aufzunehmen. Daher plädierte Raggi dafür, dass keine weiteren Flüchtlingseinrichtungen in der Stadt entstehen.

    Angesichts der jüngsten Ankunft tausender Migranten auf Sizilien sucht das Innenministerium nach zusätzlichen Unterkünften für Flüchtlinge. 180.000 Migranten werden zur Zeit in Italien versorgt. Die Zahl der Unterkünfte in Flüchtlingseinrichtungen müsse auf 200.000 aufgestockt werden, verlautete aus dem Innenministerium. Die Gemeinden wurden aufgerufen, mit dem Innenministerium bei der Suche nach passenden Einrichtungen zusammenzuarbeiten. Jede Gemeinde mit bis zu 2.000 Einwohnern müsse mindestens sechs Flüchtlinge aufnehmen. Kommunen mit mehr als 2.000 Einwohnern, sollen 3,5 Migranten pro 1.000 Einwohnern beherbergen, lautet die Richtlinie des Innenministeriums.

    17 Prozent mehr Migranten

    Bisher war Italien noch nie mit einer derart großen Migrationswelle konfrontiert. Die Region Latium mit der Hauptstadt Rom beherbergt neun Prozent aller Flüchtlinge in Italien. 64.158 Migranten sind seit Anfang 2017 in Italien eingetroffen, das sind 17 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016, geht aus Angaben des italienischen Innenministeriums hervor.

    Die meisten Flüchtlinge stammen aus Nigeria (9.500), Bangladesch (7.199) und Guinea (6.011). Die Flüchtlinge landeten mehrheitlich in den sizilianischen Häfen Augusta (11.366), Catania (7.859) und Pozzallo (5.657). 8.300 unbegleitete Minderjährige trafen in Italien ein. Das EU-Umverteilungsprogramm kommt nur schleppend voran. Bisher haben lediglich 6.505 Flüchtlinge Italien verlassen. (14.6.2017)

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