Mehr Wilderei in Myanmar wegen Elefantenhaut

15. Juni 2017, 15:13
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Haut, Rüssel und Penisse der Säugetiere werden in der traditionellen Medizin verarbeitet

Wien/Naypyidaw – In Myanmar wird eine neue Art der Wilderei beobachtet. Seit 2010 hat die Zahl der getöteten Elefanten laut örtlichen Behörden drastisch zugenommen. Insgesamt wurden 112 Elefantenkadaver vom Ministerium für Naturschutz und der Wildlife Conservation Society (WCS) dokumentiert. Die Wilderer sind dabei aber keineswegs nur auf Stoßzähne aus. Stattdessen wird die Elefantenhaut zu Cremes verarbeitet. Sie soll gegen Hautkrankheiten wirken.

2015 wurden 36 Elefanten gewildert, die noch nicht veröffentlichten Zahlen für 2016 sollen noch höher sein. Das Nachbarland China gilt als Hauptabnehmer für die Kosmetikprodukte. Das Land hat zwar ein Handelsverbot von Elfenbein bis Ende des Jahres angekündigt. Viele Werkstätten, die Stoßzähne verarbeiten, wurden bereits geschlossen. Doch Naturschützer berichten nun von einer steigenden Nachfrage an Rüsseln, Elefantenfüßen oder -penissen, die in der traditionellen Medizin verarbeitet werden. Die Haut, die als Heilmittel für Ekzeme gilt, ist besonders gefragt. Den verarbeiteten Penissen wird eine potenzfördernde Wirkung nachgesagt. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde die Wirkung dieser Mittel nie.

107 Euro für ein Kilo Haut

Laut Forschungen der Universität von Rangun, der größten Stadt Myanmars, werden auf lokalen Märkten für ein Kilogramm Elefantenhaut rund 107 Euro gezahlt. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Elfenbein kostet zum Beispiel in Vietnam knapp 1200 Euro. Der illegale Handel mit Stoßzähnen wird jedoch zunehmend schwieriger.

Bauern in ärmeren Regionen verdienen daran, Wilderer zu den Herden zu führen. Die Jäger schießen mit in Gift getränkten Pfeilen auf die Tiere, die dadurch langsam verenden. Danach werden alle Körperteile mitgenommen, für die eine Nachfrage besteht. Der Rest wird liegen gelassen. Der WWF hat im Vorjahr 20 Kadaver in Myanmar gezählt.

Laut Schätzungen leben heute weniger als 50.000 Elefanten in Asien, mehr als die Hälfte davon in Indien. Auch die EU kann ihren Beitrag zum Artenschutz noch forcieren. So will die EU-Kommission ab 1. Juli die Ausfuhr von altem Elfenbein fast vollständig verbieten. Artenschützer kritisieren schon lange, dass legale Exporte den Schmugglern bei der Verschleierung von illegalem Handel helfen.

Laut offiziellen Angaben wurden zwischen 2013 und 2016 legal etwa 1900 Stoßzähne aus der EU nach Asien ausgeführt. Dabei handelt es sich um Rohelfenbein aus der Zeit vor 1990. Für jüngeres Elfenbein gilt in der EU ein Handelsverbot. (july, 15.6.2017)

  • Auf einem Markt in Myanmar ist neben Elfenbein auch Elefantenhaut offen erhältlich.
    foto: apa/afp/romeo gacad

    Auf einem Markt in Myanmar ist neben Elfenbein auch Elefantenhaut offen erhältlich.

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