Fruchtbarkeit tracken: Ein Armband für den Eisprung

Blog18. Juni 2017, 12:00
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Ein Armband überwacht im Schlaf den Körper, so können Frauen ihren Zyklus verfolgen. Ein Selbsttest

Wann die fruchtbaren Tage einer Frau sind, lässt sich ausrechnen. Genauer wird es, wenn Temperatur und Zervixschleim beobachtet werden. Weil das zeitaufwendig ist und mitunter sehr ungenau sein kann, hat ein Schweizer Unternehmen ein Gerät entwickelt, das nachts am Handgelenk getragen und morgens mit einer Handyapp synchronisiert wird.

Allerhand Parameter, die mit dem Hormonlevel zusammenhängen, werden dabei gemessen, pro Zyklus zeigt das Tool 5,3 fruchtbare Tage an – mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent, das hat eine Studie der Universitätsklinik Zürich ergeben.

Ava, so der Name des Armbands, ist gemacht für Frauen, die schwanger werden wollen, es bereits sind oder einfach nur ihren Zyklus beobachten wollen – in die letzte Kategorie falle ich.

Um das Gerät zu testen, stellen sich mir gleich mehrere Herausforderungen: zu wenig Speicherkapazität auf dem (schon etwas älteren) Smartphone. Dazu kommt, dass mir die Tatsache, mir etwas ums Handgelenk legen zu müssen, nicht gefällt. Als Armband- und Armbanduhrverweigerin finde ich alles, was man dort trägt, störend.

Jeden Tag synchronisieren

Ich teste trotzdem, installiere die App (nachdem der notwendige Speicherplatz geschaffen ist), fülle einen kurzen Fragebogen aus und lege nachts das Armband an. Es leuchtet grün auf der Innenseite, nur wenn ich Ava ganz eng trage, stört mich das grüne Licht nicht. Ansonsten schläft es sich mit dem Armband wie sonst auch.

Am nächsten Morgen wird synchronisiert. Dafür stecke ich Ava mit einem USB-Kabel an die Stomversorgung an und schalte auf meinem Handy Bluetooth ein. Jetzt werden die Daten geladen. Das muss jeden Tag passieren, ansonsten ist die App nicht aktuell. Auf Dauer würde mich das bestimmt sehr nerven, denke ich mir schon nach einigen Tagen. Außerdem macht das Armband, wenn ich es nicht trage, gelegentlich surrende Geräusche, als würde eine Fliege auf dem Rücken liegen.

Ein erster Blick auf die Oberfläche der App nach der Synchronisierung zeigt mir: Heute bin ich maximal fruchtbar und in der Follikelphase. Ein Kalender zeigt an, dass mein Eisprung erst einen Tag her ist. Wäre eine Schwangerschaft mein Ziel, hieße es nun: ran an den Mann.

Zeugungszeitpunkt rekonstruieren

Auch allerhand anderes kann mir die App noch berichten, habe ich das Gefühl. Mich tatsächlich zurechtzufinden fällt mir schwer. Eine "Hilfe"-Option gibt es nicht. Ich klicke mich durch, erkunde die Funktionen selbst. In einer Kalenderansicht werden mir fruchtbare Tage, Eisprung und Regelblutung angezeigt. Klicke ich auf ein großes rotes "+" kann ich eintippen, ob ich am heutigen Tag eine Blutung habe und wie stark sie ist, und eingeben, ob ich Sex hatte – wenn ja, erscheint über dem Kalendertag ein Herz. Diese Funktion hilft vor allem dann, wenn man nachträglich feststellen will, an welchem Tag man schwanger geworden ist.

Eine letzte Funktion zeigt mir nach jeder Nacht Ruhepuls, Hauttemperatur, Herzratenvariabilität (HRV), also das Verhältnis zwischen Wellen mit hoher und niedriger Frequenz der Herzschläge, sowie Schlafdauer und -qualität. Hier wird es spannend, denn neben den Werten der vergangenen Nacht wird auch erklärt, wie jeder Parameter sich je nach Phase eines weiblichen Zyklus verändert.

Auch wenn Ava interessante Daten aufzeichnet, durch die ich meinen Zyklus besser kennenlerne, und das Gerät auch meine Periode ziemlich genau vorhersagt, ist das tägliche Synchronisieren lästig und der Preis von 249 Euro zu hoch. Wer allerdings wirklich schwanger werden will, für den ist das Armband eine Hilfe – und die Welt eines Tages vermutlich voller Ava-Babys. (Bernadette Redl, 18.6.2017)

Blog: Gesunde Geschichten

Auch wir Gesundheitsredakteure des STANDARD sind immer wieder mal krank. Und wir würden gern gesünder, fitter und krankheitspräventiver leben. Was wir für unser eigenes Wohlbefinden ausprobieren, was wir im Dschungel unseres Gesundheitssystems alles erleben und was wir tun, wenn es uns selbst dreckig geht, beschreiben wir hier – als Otto Normalverbraucher sozusagen. Und Achtung: Misery loves company – wir freuen uns über Tipps, Tricks und Resonanz.

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  • So sieht das Armband aus. Wer es nachts trägt, kennt den eigenen Körper morgens besser.
    foto: redl

    So sieht das Armband aus. Wer es nachts trägt, kennt den eigenen Körper morgens besser.

  • Bernadette Redl beschäftigt sich von Berufs wegen mit Medizin. Werbeversprechen gibt es viele, hier wird getestet, was sie taugen.
    foto: cremer/rawicka/istock

    Bernadette Redl beschäftigt sich von Berufs wegen mit Medizin. Werbeversprechen gibt es viele, hier wird getestet, was sie taugen.

  • Jeden Morgen müssen Armband und Handy-App miteinander synchronisiert werden.
    foto: ava

    Jeden Morgen müssen Armband und Handy-App miteinander synchronisiert werden.

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