Wärme: Von Duft und Ausdünstung

Kolumne15. Juni 2017, 15:00
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Der menschliche Geruchssinn ist so etwas wie das innere Tier in uns – warum stinken, wenn unser Gehirn Wohlgerüche mag

Wir Menschen glauben, wir seien die Krone der Schöpfung. Wir sehen, wir ordnen ein, wir treffen Entscheidungen. Doch es gibt sie, die Macht des Unsichtbaren. Sie sitzt in der Nase. Subtil und an jeder Vernunft vorbei, nimmt sie Dinge wahr, lange bevor sie der Verstand registriert hat. Ein Beispiel: Ich traf unlängst einen alten Bekannten. Noch bevor ich ihn sah, hatte ich seinen Duft in der Nase. Er trägt ein ausgefallenes Parfum. Wir werden uns in Zukunft öfter sehen, "weil unsere Chemie total stimmt", wie er meinte.

Das alles ist eine langes Plädoyer für den vernachlässigten Geruchssinn, den allerfeinsten und subtilsten unserer Sinne. Er warnt uns, er sendet Signale und etabliert Verbindungen. Wer gut riecht, hat gute Karten – mich hat mein Geruchssinn sehr selten enttäuscht.

Allein: Meine Nase ist im Jahreszeitenwechsel gefangen. Ich wechsle meine Parfums Anfang Mai und ich finde, alle anderen sollten das auch tun. Ein Parfum, das im Winter gut funktioniert, kippt in der Hitze, steigt einem plötzlich billig und muffig in die Nase und verursacht im schlimmsten Fall Übelkeit. So zum Beispiel unlängst: Ein Raum voller Männer um zirka sechs Uhr abends. Alle gepflegt, Anzug, Krawatte. Trotzdem: Ein Elend für die Nase.

Tragische Duftumkehr

Was viele von ihnen nicht wussten: Nach einem langen harten Tag kippt das Parfum. Was morgens duftet, ist abends Ausdünstung. Ganz besonders aquatische Sommerdüfte, also jene mit zitrisch-frischen Noten, sind gefährdet, in einer Art olfaktorischer Mottenkiste zu enden.

Und auch die Deos müssen ab sofort leistungsfähiger sein. Denn ab sofort startet auch wieder die Hochsaison der Deodorants. Es gibt hunderte unterschiedliche: Sprays und Sticks und Roll-ons. Sie alle sind dafür gemacht, der anderen, den anderen nicht unangenehm in die Nase zu steigen. Nur eines: Aluminiumfreie Varianten halten selten einem stressigen Tag stand.

Ein kleiner Tipp für alle, die duft- und deomäßig noch nicht so ganz angekommen sind: Ausprobieren, auf die Probe stellen – und was nicht gut performt, einfach wieder verwerfen. Was es für Parfüms heißt: Keine Spontankäufe, diese sind bei Parfums und Deos selten von Erfolg gekrönt. Viel besser ist ausprobieren und dem Geruchssinn Zeit lassen. Am besten ganze drei Tage. Erst dann haben die Anti-Schweiß-Produkte die Nagelprobe bestanden. Wenn Deo und Parfum funktionieren, wird der Sommer dufte werden. (Karin Pollack, 15.6.2017)

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  • Die Hochsaison für Deos ist gestartet.
    foto: getty images/istockphoto/chesirecat

    Die Hochsaison für Deos ist gestartet.

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