Auschwitz: Eigenes Museum für Menschen, die Juden halfen

13. Juni 2017, 14:08
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Absichtserklärung für Museum "Gerechte aus der Gegend von Auschwitz" soll noch diese Woche unterzeichnet werden

Warschau – Ein neues Museum in Polen soll an die Helfer von Juden im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz erinnern. Vertreter des Kulturministeriums und des Landkreises Oswiecim (Auschwitz) werden am Mittwoch eine Absichtserklärung zur Gründung des Museums "Gerechte aus der Gegend von Auschwitz" unterzeichnen.

Die Helfer

Ziel der neuen Ausstellung sei das "Gedenken an das Heldentum der Bürger der Region Oswiecim", die im Zweiten Weltkrieg den jüdischen Häftlingen des Vernichtungslagers geholfen hätten. Dem Ministerium zufolge unterstützten mehr als tausend Personen nichtjüdische Polen, Widerstandskämpfer oder Gefangene bei deren Flucht aus dem Vernichtungslager oder durch den Schmuggel von Medikamenten.

Die Initiative zu dem neuen Museum nahe der staatlichen Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ging von Lokalpolitikern aus. Der Tag der Absichtserklärung ist nicht zufällig gewählt. Am Mittwoch jährt sich die erste Massendeportation von 728 Polen ins Konzentrationslager Auschwitz zum 77. Mal. Einzelne polnische Historiker kritisieren, dass die Regierung ein separates Museum plane, statt die Judenhelfer in der bestehenden Gedenkstätte zu ehren. Dort wird bereits heute an Menschen erinnert, die jüdische Häftlinge vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten retteten.

Im südostpolnischen Markowa hatte Staatspräsident Andrzej Duda im März 2016 ein erstes Museum zu Ehren jener Landsleute eröffnet, die Juden vor dem Holocaust retteten. Das rund zwei Millionen Euro teure "Familie-Ulma-Museum" wurde in dem kleinen Ort errichtet, in dem die deutschen Besatzer im März 1944 die katholische Bauernfamilie Ulma mit ihren sechs Kindern erschossen, weil die Familie in ihrem Haus Juden vor der Deportation in deutsche Vernichtungslager versteckt hatte.

Hintergrund

Genaue Angaben über die Zahl der Juden, die in ganz Polen von anderen Menschen versteckt wurden, gibt es nicht. Laut Historikern retteten Polen Zehntausende Juden vor dem Holocaust, obwohl darauf die Todesstrafe stand. Ein auf Initiative der polnischen Exilregierung gegründeter "Rat zur Unterstützung der Juden" (Zegota) schleuste mit gefälschten Dokumenten viele Juden unter anderem aus dem Warschauer Ghetto und versteckte sie.

Der Staat Israel zeichnete bisher mehr als 6.600 Polen für die Rettung von Juden als "Gerechte unter den Völkern" aus – so viele wie aus keiner anderen Nation. In der katholischen Kirche läuft ein Seligsprechungsverfahren für das Ehepaar Jozef und Wiktoria Ulma. (APA, 13. 6. 2017)

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