Sachbeschädigung: Verpfuschtes Leben, brennende Zelle

13. Juni 2017, 12:20
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Ein 38-Jähriger zündete nach seiner Festnahme die Matratze in seiner Zelle an. Er sagt, ihm fehle nach zwei Flaschen Wodka die Erinnerung

Wien – "Für Ihr verpfuschtes Leben können wir nichts. Wir machen nur unsere Arbeit", sagt der Inspektor, der wegen Andreas M. eine Rauchgasvergiftung erlitten hat, zum Angeklagten. Die Einschätzung der Biografie des 38-Jährigen ist nicht von der Hand zu weisen: elf Vorstrafen, arbeits- und obdachlos, Drogen- und Alkoholabhängigkeit. Vor Richter Johannes Varga muss er sich vor allem verantworten, da er in einer Polizeizelle Feuer gelegt hat.

Er könne sich nicht mehr an viel erinnern, sagt er heute. "Ich habe zwei Flachen Wodka getrunken und mich mit meiner Ex auf der Mariahilfer Straße gestritten. Dann ist die Polizei gekommen, und dann bin ich im Krankenhaus aufgewacht."

In Richtung der Polizisten uriniert

Seine Erinnerungslücke kann der Polizist als Zeuge füllen. "Er war extrem aggressiv, so was habe ich noch nicht erlebt. Und ich bin 34 Jahre dabei", schildert der Beamte. Der Angeklagte kündigte beispielsweise in derben Worten an, mit der Mutter des Zeugen Analverkehr zu vollziehen. Er urinierte auch in Richtung der Polizisten, ehe sie ihn in die Zelle bringen konnten.

Interessanterweise hat M. dann doch eine Erinnerung: Das Feuerzeug, mit dem er die Matratze angezündet hat, habe er in ebendieser gefunden. Und: "Ich habe herumgespielt, und plötzlich hat es gebrannt und geraucht." Bei der Haft- und Rechtsschutzrichterin sowie dem psychiatrischen Sachverständigen hatte er noch gesagt, er habe sich umbringen wollen. "Das war ein Missverständnis. Ich hatte Selbstmordgedanken in meinem Leben, aber nicht da."

Sieben verletzte Beamte

Den Polizisten fiel der Brandgeruch auf; als sie die Zellentür öffneten, drangen ihnen schon schwarze Schwaden entgegen. Sieben Beamte erlitten, so wie der Angeklagte, eine Rauchgasvergiftung. "Ist Ihnen bewusst, dass Ihnen die Polizisten das Leben gerettet haben?", fragt Varga. "Ja", lautet die kleinlaute Antwort.

Es gibt noch andere Anklagepunkte, unter anderem weitere Sachbeschädigungen und Schläge gegen die Ex-Partnerin. Der Senat verurteilt ihn schließlich rechtskräftig zu 15 Monaten unbedingter Haft – allerdings für die Begehung einer Straftat im Zustand voller Berauschung. (Michael Möseneder, 13.6.2017)

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