Pro & Kontra: Namenstattoo

    Kolumne20. Juni 2017, 13:29
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    Zeugnis der Liebe oder Bekenntnis purer Geschmacklosigkeit

    foto: getty images / istockphoto
    Brian statt "Beauty"?

    Pro
    von Anne Feldkamp

    Es wird gern gejammert über die Kaltschnäuzigkeit der Generation "Beziehungsunfähig". Statt mit dem Taschenmesser Herzen und Pfeile und Buchstaben in Baumrinden zu ritzen, verschenke sie auf Tinder Herzen im Sekundentakt, lautet die Anklage. Morgens Peter, abends Alexander, die laxe Unverbindlichkeit, sie kenne keine Grenzen.

    Das ist wie immer nur die halbe Wahrheit. Die Sehnsucht nach dem Dauerhaften ist ungebrochen. Wer den Begriff "Namenstattoo" in die Google-Bildersuche eingibt, wird sehen: Die Romantik, sie sitzt überall, für immer und für ewig.

    Auf Unterarmen, Dekolletés und Bizeps wird in verschnörkelten Buchstaben die Liebe zu Yannik, Brian, Gianluca zelebriert, meist schwirren farbige Schmetterlinge, Sterne und Herzen um die Namen.

    Solche in Tinte gestochenen Bekenntnisse als pure Geschmacklosigkeit oder naive Tätowierkunst abzutun zeugt von Herzlosig- und Kleingeistigkeit:

    Liebe ist auch, dem Namen des anderen einen Platz auf dem Unterarm einzuräumen. Ohne sich das Geld für eine Tattoo-Entfernung zurückzulegen.

    Kontra
    von Michael Hausenblas

    Wird die Treu' gebrochen, ist das ein Dilemma. Vor allem wenn man der Betrogene ist und noch dazu den Namen der Liebsten auf dem Oberarm prangen hat. In dem Fall hilft Schleifpapier oder ein Schmäh, um der Verschmähten Namen loszuwerden.

    In einer deutschen Weichspülkomödie lässt sich ein Gehörnter sein Anna-Tattoo in Annanas umpecken. So seicht der Film auch sein mag: Dumm ist die Idee nicht. Verlässt einen ein liederlicher Kurt, macht man aus ihm Kurtisane, die Untreue von Lilli wird mit Lilli putana bestraft. Tarnen und täuschen statt schleifen und jammern.

    Mich nennt man Maik. Die Schreibweise rührt daher, dass mein Großvater des Englischen nicht mächtig war. Das Maik, das er in ein goldenes Armbändchen gravieren ließ, blieb mir picken. Sollte meine Liebste auf die Idee kommen, sich "Maik" zu pecken, bliebe ihr im Falle von meinerseitigen Fisimatenten: Maikäfer, Maikröte oder Maikönigin. Sollte sie mir Kummer bescheren, würde ich aus meiner Heidi gnadenlos Heidi Klum machen. Oder ein heiteres Heidi-Heida und Tralala. Von wegen Herzschmerz. (RONDO, 20.6.2017)

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