Sexismus in der Digital Economy: Alter Wein, neue Schläuche

    Kommentar12. Juni 2017, 17:58
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    Die Unternehmen im Silicon Valley verkaufen uns zwar Innovation und Transparenz, funktionieren intern aber eher wie totalitäre Regime in vergangenen Jahrhunderten

    Alles, was wir für eine gute Zukunft benötigen, kommt bekanntlich aus Silicon Valley. Hier sitzen die innovativsten Querdenker der Welt mit der besten und teuersten Ausbildung, die unser Leben auf den Kopf stellen. Wir Konsumenten liegen ihnen zu Füßen, warten sehnsüchtig auf die neuesten Erfindungen, kopieren von der Büroeinrichtung bis zu den Jobbezeichnungen den hippen Start-up-Spirit.

    Für die kleinen Rädchen, welche die Maschine in Kalifornien am Laufen halten, hat die Tech-Branche allerdings nur wenig Glanz und Glamour parat – vor allem, wenn sie nicht männlich, jung, weiß und heterosexuell sind. Denn Apple, Google, Facebook und Co haben ein ziemliches Problem mit Sexismus und Diskriminierung.

    Beim Taxivermittlungsdienst Uber ist das Arbeitsklima besonders schlecht. Von homophoben Kommentaren, Gewaltandrohungen, Gegrapsche und viel Schreierei berichten Mitarbeiter den Medien. Dass hier eine Jeder-gegen-jeden-Kultur vorherrscht, ist aber kein Wunder: Wer in die Firma einsteigt, muss 14 zentralen Werten zustimmen. Riskant zu agieren, von Kunden "besessen" zu sein, und auch sich immer Platz zu verschaffen, andere zu verdrängen, ist Teil des Dienstvertrages. Und wenn bekanntlich Bosse die Unternehmenskultur vorleben sollen, ist Gründer und CEO Travis Kalanick offenbar das passende Vorbild.

    Dass wegen zahlreicher Sexismusvorwürfe und prominenten Abgängen eine interne Sonderkommission ermittelt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die dort diskutierte Beurlaubung von Kalanick wäre ein starkes Signal. Wie die vielen öffentlichen Schilderungen zeigen, ist der schlechte Umgang miteinander aber bereits Status quo im Betrieb. Damit diese völlig vergiftete Führungskultur der Vergangenheit angehört, wird es nicht nur tiefgreifende Maßnahmen, sondern auch neue Köpfe brauchen.

    Andere Unternehmen im Silicon Valley sollten bei den Empfehlungen der Sonderkommission gut hinhören, denn auch sie verkaufen uns zwar Innovation und Transparenz, funktionieren intern aber eher wie totalitäre Regime in vergangenen Jahrhunderten. Da können selbst die Minigolfplätze auf der Dachterrasse und gratis Yogastunden nicht darüber hinwegtäuschen, kein Chief-Discrimination-Officer das schnell ändern. Was hilft, ist Outing und Druck von außen. Und an all jene, die den Start-up-Spirit nach Österreich holen: Macht es besser. (Lara Hagen, 12.6.2017)

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