Damian Green, neuer britischer Kabinettschef und Erster Minister

Kopf des Tages12. Juni 2017, 17:38
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Loyaler Freund soll May stabilisieren

Damian Greens neuer Jobtitel spricht für die Loyalität des hochangesehenen Parlamentariers. Seit Sonntag amtiert der 61-Jährige als Kabinettschef – er darf sich auch Erster Minister nennen und ist damit so etwas wie Theresa Mays Vizepremier. Damit ist er politisches Radarsystem und geräuschloses Spezialkommando der Regierungschefin einerseits, wichtiger Vermittler zwischen den rivalisierenden Ressortchefs der bekannteren Ministerien wie Äußeres, Inneres, Gesundheit und Schulen andererseits.

Die Berufung ihres alten Freundes aus der gemeinsamen Studienzeit in Oxford lässt Rückschlüsse zu auf die Vereinsamung der Premierministerin in Not. Green hat May schon als Staatssekretär im Innenministerium vier Jahre lang treu gedient, zuletzt bekleidete er das schwierige Amt des Sozialministers. Nach dem erzwungenen Rücktritt ihrer beiden rüpelhaften Büroleiter brauchte sie einen politisch versierten Berater ohne eigenen Ehrgeiz. Anders als die spröde Chefin, kann der überaus charmante Green Menschen für sich einnehmen.

Gut möglich, dass der Kabinettsminister in den kommenden Monaten auch zum Kontaktmann für die europäischen Partnerregierungen avanciert. May besitzt ja kaum politische Kontakte auf den Kontinent, Green hingegen ist überzeugter Proeuropäer, war beispielsweise bei der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung stets ein gerngesehener Gast.

Einer breiteren Öffentlichkeit fiel der 1997 ins Parlament gewählte Journalist, verheiratet mit einer Anwältin und Vater zweier erwachsener Töchter, erstmals vor neun Jahren auf. Damals stand Green im Mittelpunkt eines Polizeiskandals: Weil dem damaligen Oppositionspolitiker immer wieder brisante Papiere aus dem Innenministerium zugespielt wurden, durchsuchte der Staatsschutz Greens Büro und Privathaus und drohte dem Parlamentarier im neunstündigen Verhör mit "lebenslanger Freiheitsstrafe".

Das Verfahren wurde später eingestellt – aber erst, nachdem der Betroffene den Rücktritt der damaligen Labour-Innenministerin gefordert und dabei ein altes Sprichwort bemüht hatte: "Der Fisch stinkt vom Kopf her." Viele Briten, nicht zuletzt konservative Parlamentarier, denken derzeit in Bezug auf die May-Regierung ähnlich. Von Damian Green wird es entscheidend abhängen, ob Theresa Mays Minderheitsregierung in den nächsten Tagen dennoch eine Stabilisierung gelingt. (Sebastian Borger, 12.6.2017)

  • Damian Green ist neuer Kabinettschef.
    foto: afp photo / ben stansall

    Damian Green ist neuer Kabinettschef.

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