Nürnberg: 21-Jähriger gesteht Morde an zwei Prostituierten

12. Juni 2017, 17:12
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Obdachloser erwürgte die Frauen und legte danach Feuer, um Spuren zu verwischen

Nürnberg/Berlin – In der fränkischen Stadt Nürnberg herrscht Erleichterung. Nachdem binnen kurzer Zeit dort zwei Prostituierte erwürgt worden waren, konnte die Polizei Mittelfranken am Montag die Festnahme eines Verdächtigen vermelden und zudem mitteilen, dass dieser die Morde bereits gestanden hat. "Er wollte sich erleichtern", erklärte der Nürnberger Polizeipräsident Johann Rast am Montagnachmittag.

Eine 22-jährige Rumänin war am 24. Mai in einer "Modellwohnung" tot aufgefunden worden, eine 44-jährige chinesische Prostituierte, die sich als 23-Jährige ausgegeben hatte, am 5. Juni, ebenfalls in einem Appartement, in dem sie ihre Dienste anbot. In beiden Fällen hatte der Tatverdächtige Feuer gelegt, um die Spuren zu verwischen.

Soko "Himmel"

Die Polizei befürchtete, dass es bald ein weiteres Opfer geben könnte, und richtete die 30-köpfige Sonderkommission "Himmel" ein – benannt nach dem Namen am Klingelschild an der Wohnung des ersten Opfers. Die Soko ging von Anfang an davon aus, dass es sich in beiden Fällen um denselben Täter handelt.

Der 21-jährige Felix R. war zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft in Nürnberg untergebracht, wo er sich ein Zimmer mit drei weiteren Männern teilte. Laut Staatsanwalt Alfred Brucker "ist er in der Vergangenheit strafrechtlich nicht erheblich aufgefallen". 2016 wurde er wegen Körperverletzung im familiären Umfeld zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt.

Die Ermittler nehmen an, dass der Mann regelmäßig zu Prostituierten ging. Laut Bild suchte er im Internet nach Verabredungen mit Frauen im Alter von 18 und 24 Jahren. Über sich selbst schrieb der Kochlehrling im Internet: "Ich bin Single." Er lebe allein, plane keine Familie. Zu seinem Aussehen gibt er an: "180 cm, 96 kg, durchschnittlich gebaut, schwarze Haare und braune Augen".

Streit um Geld als Motiv

Das Motiv für die Taten soll Streit um Geld – nach dem Sex – gewesen sein. "Es gab Unstimmigkeiten, was geschuldet werden sollte", erklärte der Nürnberger Oberstaatsanwalt Alfred Huber bei der Pressekonferenz am Montagnachmittag. Allerdings müssten diese Angaben "noch kritisch überprüft werden". Eine der Frauen hatte der Mann mit Mullbinden gefesselt, die andere mit einem Wäschestück.

Auf die Spur kamen die Ermittler dem Tatverdächtigen nach der Auswertung seines Mobiltelefons. Er hatte mit beiden Opfern Kontakt. Zudem fanden sich DNA-Spuren des 21-Jährigen auf einem Handykabel eines Opfers.

Festgenommen wurde Felix R. am Freitag durch ein Sondereinsatzkommando, als er in Nürnberg am Weg in einen Spieleladen war. Zuerst gab er bei der Vernehmung an, bei beiden Prostituierten gewesen zu sein, aber sie nicht getötet zu haben. Als er mit der übereinstimmenden DNA-Spur konfrontiert wurde, gestand er auch die Morde. (bau, 12.6.2017)

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