Von Tirol und Bayern planerisch in die weite Welt

13. Juni 2017, 11:00
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Vor 50 Jahren haben sich der Tiroler Lässer und der Bayer Feizlmayr zusammengetan. Das Planungsbüro ILF mischt inzwischen überall groß mit

Wien/Innsbruck/München – Ob Brennerbasistunnel, die Linie 2 der Metro Warschau, eine Erdöl-Produktionsaufbereitung in Nordirak oder ein Projekt für eine Stadtseilbahn in Lagos, der größten Stadt Nigerias: Überall steckt Gehirnschmalz von ILF drin. Die drei Buchstaben stehen für Ingenieurgemeinschaft Lässer Feizlmayr. Dass das 50-Jahr-Jubiläum der Firma mit den Feiern für 50 Jahre Transalpine Ölleitung (TAL) zusammenfällt, ist kein Zufall. Links neben dem Eingang zur ILF-Zentrale in Rum bei Innsbruck fällt der Blick des Besuchers auf ein Stück Pipelinerohr. Nicht von ungefähr ist es ein Abschnitt der Transalpinen Ölleitung.

Mit dem Auftrag zur Planungsorganisation der TAL an Pius Lässer hat vor 50 Jahren alles begonnen. Der ehemalige Bechtel-Mitarbeiter hat das Büro 1967 gegründet. Der Tiroler war damals 36 Jahre alt. 1969 stieß Adolf Feizlmayr dazu, ein 30-jähriger Bayer. Die Ingenieurgemeinschaft war perfekt. Beide Urgesteine sind noch immer aktiv – im Beirat der Firma.

"Unser Kapital sind die Hirne unserer Kolleginnen"

"Wir haben keine Maschinen, keine Produktionseinrichtungen. Unser Kapital sind die Hirne unserer Kollegen und Kolleginnen", sagt Klaus Lässer, der Sohn des Firmengründers Pius Lässer, im Gespräch mit dem STANDARD. Die größte Herausforderung für ein Ingenieurbüro in der Größe von ILF sei neben dem schärfer werdenden Preisdruck zu lernen, mit der rasch wechselnden geopolitischen Lage inklusive der schwer prognostizierbaren Entwicklung an den globalen Rohstoffmärkten umzugehen. "Spannungen in Katar haben Auswirkungen auf den gesamten Mittleren und Nahen Osten", sagt Lässer. Das Investitionsklima, wegen der anhaltenden Ölpreisbaisse ohnedies nicht sonderlich gut, leide durch solche Spannungen zusätzlich.

Auch der Verfall der Kupferpreise hat ILF indirekt getroffen. "Wir wollten uns bei Wassertransportsystemen unabhängiger vom arabischen Raum machen und haben geschaut, wo noch Wasser in großen Mengen benötigt wird", sagt Lässer. In Chile sei man fündig geworden. Die dortige Minenindustrie benötigt, wenn das Geschäft läuft, sehr viel Wasser. "Wir waren so lange gut im Geschäft, bis der Kupferpreis gesunken ist. Dann hat die Industrie die Investitionen ruckzuck gekürzt", sagt Lässer.

Büros mit Regionalverantwortung

Ein Vorteil sei, dass sich ILF rechtzeitig stark regionalisiert und auch das Portfolio erweitert habe. "Wir haben inzwischen weltweit 40 Standorte mit Regionalverantwortung und können so rasch auf Kundenwünsche reagieren", sagt Lässer. "Wenn uns ein Kunde anruft, soll es möglich sein, innerhalb einer Stunde bei ihm im Büro zu sitzen."2000 Mitarbeiter weltweit Rund 2000 Mitarbeiter sind weltweit für ILF tätig, gut 500 davon in Österreich.

Der Bereich Öl und Gas ist mit einem Umsatzanteil von zuletzt 42 Prozent noch immer der größte der vier Geschäftsfelder. Wasser und Umwelt sowie Verkehr und Bauwerke tragen jeweils rund ein Viertel zum Gesamtumsatz von zuletzt 220 Millionen Euro bei. Heuer wird ein ähnlich hoher Gesamtumsatz erwartet. Energie und Klimaschutz ist der jüngste und kleinste Bereich bei ILF mit elf Prozent Umsatzanteil – Tendenz steigend.

Bei Nord Stream 2 dabei

Das derzeit größte Projekt, das ILF abwickelt, ist die Transanatolische Pipeline (Tanap), die nächstes Jahr in Betrieb gehen und Gas quer durch die Türkei transportieren soll. Auch bei Nord Stream 2, der umstrittenen zweiten Gasröhre durch die Ostsee, ist ILF mit Planungsaufträgen kleineren Volumens im Geschäft, wie übrigens auch bei der später abgesagten Nabucco-Pipeline, bei der die OMV die Federführung hatte.

Bei Angaben zum Gewinn gibt sich Lässer zugeknöpft: "Wir sind Familienunternehmen und sagen generell nichts dazu." ILF sei aber profitabel. (Günther Strobl, 13.06.2017)

  • Nicht Rohöl und auch nicht Gas, sondern Trinkwasser fließt inzwischen durch dieses von ILF geplante Wassertransportsystem in Saudi-Arabien. Das Gesamtnetz umfasst 7740 Kilometer Rohrleitungen.
    foto: handout

    Nicht Rohöl und auch nicht Gas, sondern Trinkwasser fließt inzwischen durch dieses von ILF geplante Wassertransportsystem in Saudi-Arabien. Das Gesamtnetz umfasst 7740 Kilometer Rohrleitungen.

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