Vettel erstmals nicht auf Podest: WM-Kampf wird härter

12. Juni 2017, 15:58
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Nach Hamiltons Gala-Sieg in Kanada hat der deutsche Ferrari-Star vor Baku nur noch 12 Zähler Vorsprung – Wolff: "Haben zurückgeschlagen" – Kanada-Jungstar Stroll punktete erstmals

Montreal/Wien – Es gibt Momente, da klappt gar nichts. "Es ist einer dieser Tage, wenn sogar das Eis bricht und einem auf die Hand klatscht", sagte Ferrari-Star Sebastian Vettel, nachdem er als Vierter beim Grand Prix von Kanada erstmals in dieser Saison nicht auf das Podest gekommen war. Die nächste Chance, Lewis Hamilton zu biegen, kommt in zwei Wochen in Baku.

Das Rennen am 25. Juni in Aserbaidschan ist das letzte vor dem Grand Prix in Österreich, wo Vettel am 9. Juli gerne weiterhin von der Spitze der WM-Tabelle lachen würde. Es wird zäh, denn nach seiner Gala-Vorstellung in Montreal mit der 65. Pole und dem 56. Sieg in einem WM-Lauf haben Weltmeister Hamilton und nach dem Doppelsieg von Montreal auch Mercedes wieder enormen Aufwind.

Es war ausgerechnet ein Bolide des Österreich-Gastgebers und Vettels ehemaligem Arbeitgeber, der in Kanada mitentscheidende Akzente setzte. Dass ihm Red-Bull-Jungstar Max Verstappen gleich nach dem Start den Frontflügel ruiniert hatte, erwies sich für Vettel als fatal. Zum ersten Mal verpasste der deutsche WM-Spitzenreiter in dieser Saison nach drei Siegen und drei zweiten Plätzen als Vierter das Podest. Trost fand der 29 Jahre alte Deutsche dennoch: "Es war keine Absicht von Max. Und wenn du nach vier, fünf, sechs Runden Letzter bist, ist alles ein Gewinn."

Spitzenduell wird immer spektakulärer

Das Duell mit Hamilton wird jedenfalls immer spektakulärer. Noch kein einziges Mal in sieben Versuchen gelangen Vettel oder Hamilton zwei Siege nacheinander. Vettel sah es deshalb am Ende auch eher als zwölf gewonnene Punkte für Platz vier anstelle 13 verlorener gegen Hamilton im WM-Klassement, das Vettel nun nur noch mit 141 zu 129 Punkten anführt. Davor hatte er 25 Zähler Vorsprung gehabt.

Hamilton machte nach seiner Gala-Vorstellung deutlich, wie sehr man sich bei seinem Arbeitgeber gerade ins Zeug legt. "In diesen fünf Jahren (bei Mercedes) habe ich das Team noch nie so zusammenstehen und auf ein Ziel hin arbeiten sehen", betonte der Brite. "Das war ein großer Schlag gegen Ferrari." Denn diesmal holte Mercedes die maximale Punktzahl.

Nur zwei Wochen nach der silbernen Tristesse von Monaco ohne Podestplatz herrschte im deutschen Werksteam riesige Erleichterung. "Auf diese Weise zurückzuschlagen, zeigt, was für ein Kaliber an Leuten wir in diesem Team haben", betonte der österreichische Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Mercedes schuftet

Tag und Nacht wurde in der Fabrik in Brackley getüftelt und geschuftet, so wie auch Vettel und Ferrari das Duell um die Weltmeisterschaft maximal ausreizen. "Von morgen an werden wir in Maranello das Rennen detailliert analysieren und das Maximale aus den Daten herausholen, damit wir so gut wie möglich für die nächste Runde in Baku vorbereitet sind", kündigte Teamchef Maurizio Arrivabene an.

Dort hatte Hamilton im vergangenen Jahr bei der WM-Premiere im Duell gegen seinen damaligen deutschen Teamkollegen Nico Rosberg mit Platz fünf wichtigen Boden verloren. Um eine Wiederholung zu verhindern, leistete sich der 32 Jahre alte Brite auf seiner Paradestrecke in Montreal – sechs Poles, sechs Siege in elf Jahren – einen besonderen Luxus. Um den Wagen ans Limit zu bringen, fuhr der Weltmeister von 2008, 2014 und 2015 nach der Pole mit Streckenrekordzeit auch noch die schnellste Rennrunde – zusammen mit dem Sieg sein vierter Grand Slam. Über Vettels Platzierung hatte sich der lange einsam führende Hamilton mithilfe der TV-Leinwände aus seinem Wagen heraus auf dem Laufenden gehalten.

Aber der Brite warnte: "Ich glaube nicht, dass wir jetzt alle Probleme schon aussortiert haben", sagte Hamilton. "Zwar war unser Umgang mit den Reifen in Kanada schon deutlich besser. Aber da sind noch andere Probleme, die man nicht in zwei Wochen lösen kann."

Carlos Sainz wird gestraft

Während Verstappen für sein Manöver unbestraft blieb, wird Carlos Sainz in der Startaufstellung von Baku um drei Positionen zurückversetzt. Die Rennkommissäre verhängten diese Strafe gegen den Spanier von Toro Rosso-Renault wegen eines Zwischenfalls gegen Romain Grosjean (Haas-Ferrari) kurz nach dem Start. Leidtragender dieses Zwischenfalls war auch der Brasilianer Felipe Massa (Williams) gewesen.

Lachende Gesichter gab es nicht nur bei Force India wegen der Plätze fünf und sechs, sondern vor auch bei Lance Stroll. Der erst 18-Jährige Kanadier wurde beim Heimrennen in seinem Williams Neunter und damit zum zweit-jüngsten Fahrer mit WM-Punkten nach Verstappen.

Der Sohn des reichsten Kanadiers hatte sich davor bereits viel Kritik anhören müssen. Am Sonntag avancierte er aber zum ersten Kanadier mit WM-Punkten in der Formel 1, der nicht Villeneuve heißt. Ferrari-Legende Gilles Villeneuve, nach dem die Rennstrecke auf der Isle Notre Dame benannt ist, hatte den Kanada-GP 1978 gewonnen. Sein Sohn Jacques wurde 1997 sogar Weltmeister.

Erfreuter Stroll

"Das ist ganz speziell", jubelte Stroll, der auf einen mühsamen Saisonstart zurück blickt. "Wir wussten zwar immer, dass Punkte möglich sind. Bisher ist es aber nicht nach Wunsch gelaufen."

Das gilt wohl auch für Fernando Alonso. Der Spanier war in Kanada knapp davor, heuer erstmals zu punkten, musste seinen McLaren aber zwei Runden vor Schluss mit Motorschaden abstellen. (APA; 12.6.2017)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sebastian Vettel dreht seine Runden in Montreal. Weniger erfolgreich als üblich.

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