Nach Seebeben mit einem Todesopfer traf kleiner Tsunami auf Lesbos

13. Juni 2017, 09:29
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Seismologen warnen vor Nachbeben – Bebenzentrum im Grenzgebiet von Griechenland und Türkei

Istanbul/Athen/Lesbos – Ein Seebeben in der Ägäis hat am Montag einen kleinen Tsunami ausgelöst. Zu größeren Schäden kam es dadurch aber nicht. In einem Video, das Bewohner der Region nach dem Seebeben drehten und das am Dienstag im Nachrichtenportal der Ortschaft Plomari gezeigt wurde, ist zu sehen, wie sich das Meer aus dem Hafen von Plomari zurückzieht. Bei der Rückkehr des Wassers treiben einige Fischerboote im Hafen. Fischer versuchen, ein großes Boot wieder festzumachen.

Als Folge des Bebens kam ein Mensch auf der Insel Lesbos ums Leben. Elf Menschen wurden verletzt. Das Dorf Vrisa nahe Plomari ist größtenteils zerstört. Die Einwohner wurden in Zelten untergebracht oder mussten die Nacht im Freien verbringen, berichtete das Staatsfernsehen ERT.

Die Seismologen warnten am Dienstag vor Nachbeben. Griechische Experten berechneten die Stärke des Seebebens mit 6,1. Das Zentrum lag etwa zehn Kilometer unter dem Meeresboden zwischen der türkischen Ägäisküste und der griechischen Insel Lesbos. Nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien hatte das Beben am Montag eine Stärke von 6,0. Die Erdstöße waren noch in der rund 330 Kilometer entfernten türkischen Millionenmetropole Istanbul und in der etwa 300 Kilometer entfernten griechischen Hauptstadt Athen zu spüren.

Erdrutsche auf Lesbos

Bei dem Todesopfer handelt es sich um eine Frau, die Feuerwehrleute aus den Trümmern ihres Hauses in einem Dorf auf Lesbos bargen, wie die griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA am Montagabend berichtete. Auf Lesbos richtete das Beben außerdem Schäden an. In der Region der Ortschaft Plomari im Süden der Insel wurde nach Angaben von Vizebürgermeister Manolis Armenakas der Glockenturm einer Kirche schwer beschädigt. Mehrere Häuser wiesen Risse auf. Zudem gab es Erdrutsche, die zum Teil Straßen versperrten, wie der Lokalpolitiker weiter mitteilte. "Die Menschen sind fast alle auf die Straße gerannt", berichteten Augenzeugen aus Lesbos im Fernsehen.

Der Gouverneur der türkischen Provinz Izmir, Erol Ayyıldız, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, nach ersten Erkenntnissen gebe es weder Opfer noch Schäden zu beklagen. Das Hauptbeben ereignete sich vor der Küste des Bezirks Karaburun in der Provinz.

Häufig Erdbeben in Region

Bezirksbürgermeister Muhammet Özyüksel sagte dem Nachrichtensender CNN Türk, das Beben habe etwa 15 bis 20 Sekunden gedauert und sei sehr stark gewesen. "So einen Stoß habe ich noch nie erlebt. Ich habe gedacht, das Gebäude stürzt ein", sagte er mit Blick auf die Bezirksverwaltung. CNN Türk berichtete, in Karaburun seien nach dem ersten Beben drei Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 4,9 verzeichnet worden. Auch an der türkischen Ägäisküste berichteten Augenzeugen, Menschen seien in Panik auf die Straßen gerannt.

Die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad gab die Stärke des Hauptbebens am Montagnachmittag mit 6,2 an. Die US-Erdbebenwarte USGS bezifferte es mit 6,3.

Im europäischen Raum kommen die meisten Erdbeben in Griechenland, den südlichen Teilen des Balkans sowie im Westen der Türkei vor. Auch Italien und der westliche Balkan sind besonders betroffen. Der größte Teil der schweren europäischen Beben ereignet sich nahe den Rändern von Afrikanischer und Europäischer Platte. Dort kann es zu Spannungen kommen, die zu Beben führen. (APA, red, 13.6.2017)

Hinweis: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

  • Menschen nach dem Erdbeben auf den Straßen von Izmir.
    manolis lagoutaris/intime news via ap

    Menschen nach dem Erdbeben auf den Straßen von Izmir.

  • Schäden in Plomari auf der Insel Lesbos.
    apa/afp/usame ari

    Schäden in Plomari auf der Insel Lesbos.

  • Das Beben ereignete sich im Grenzgebiet auf griechischem Territorium.
    grafik: apa

    Das Beben ereignete sich im Grenzgebiet auf griechischem Territorium.

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