Betrugsprozess in Linz – Staudacher identifizierte Fälschungen

    12. Juni 2017, 14:17
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    Noch kein Urteil

    Linz – Aufklärung, ob zwei Angeklagte tatsächlich Fälschungen des Malers Hans Staudacher verkauft haben, erwartete sich das Schöffengericht in Linz am dritten Tag des Betrugsprozesses. Der mittlerweile 94-jährige Künstler begutachtete am Montag selbst die sichergestellten Werke, deren Echtheit schon von Experten bezweifelt worden war. Für ihn stand fest: "Nicht von mir".

    Zur Identifizierung wurde die Verhandlung in das Linzer Kunstmuseum Lentos verlegt, wo jene großformatigen Gemälde und kleinen Aquarelle aufgereiht waren. Bereits bei der ersten Begutachtung nach Auffliegen des mutmaßlichen Kunstbetrugs vor mehr als zwei Jahren hatte Staudacher alle Exponate für Fälschungen erklärt. Inzwischen hat sich der Gesundheitszustand des Künstlers deutlich verschlechtert. Seine Frau meinte am Montag, dass ihr Mann in den vergangenen eineinhalb Jahren "sukzessive abgebaut" habe, weshalb sie ihn rund um die Uhr betreuen müsse.

    Trotzdem: "Ein schönes Bild"

    "Mein Wissen geht im Kopf hin und her", erklärte Staudacher auch zu Beginn im Zeugenstand. So erklärte Richter Christoph Freudenthaler nach 13 der insgesamt 25 aufgestellten Bilder die Begutachtung für beendet. Bis dahin hatte der Künstler jedoch jedes ihm gezeigte Exponat neuerlich für "nicht von mir" erklärt: Der Pinselstrich, die Farben oder "das schöne Leinen" der Leinwand, das passe nicht. Aber so merkte er bei einigen Werken durchaus anerkennend an: "Ein schönes Bild." Antworten auf genaue Nachfragen der Verteidigung zu geben, fiel ihm jedoch schwer. Nach knapp 45 Minuten wurde der Maler daher aus dem Zeugenstand entlassen.

    Am Nachmittag stehen noch die Aussagen von zwei Zeugen auf dem Programm. Anschließend entscheidet der Richter, ob noch ein Sachverständigen-Gutachten nötig ist. Die Verteidigung will jedenfalls weitere Zeugen laden. Ein Urteil wird es somit nicht geben, die Verhandlung vertagt.

    Seit Donnerstag vergangener Woche müssen sich ein 67-jähriger ehemaliger Bildhauer und sein 74-jähriger Halbbruder wegen versuchten und vollendeten schweren gewerbsmäßigen Betrugs vor einem Schöffengericht verantworten. Das Duo bekannte sich nicht schuldig und stellte in Abrede, vorsätzlich zwischen 2001 und 2014 Fälschungen verkauft zu haben. Vielmehr glaubten die beiden laut eigenen Aussagen an die Echtheit der Werke. Allerdings gab der Zweitangeklagte zu, Herkunftsnachweise "verschleiert" zu haben, um seinem Halbbruder zu helfen. Dieser befindet sich seit Jahren in massiven Geldnöten. Gläubiger sollten daher keinen Zugriff auf die Kunstwerke erhalten. (APA, 12.6.2017)

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