Gemeinsame Schule soll ab 2025 in Vorarlberg kommen

    12. Juni 2017, 15:44
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    Mit der Bildungsreform wird auch die Möglichkeit für eine gemeinsame Schule bis zur achten Schulstufe geschaffen. Ganz Vorarlberg möchte zur Modellregion werden

    Österreich, Deutschland und Ungarn sind innerhalb der OECD die einzigen Länder, in denen die gemeinsame Schule nach vier Jahren (in Österreich nach der Volksschule) wieder endet. Mit der Bildungsreform kann nun unter bestimmten Voraussetzungen eine Gesamtschule für Zehn- bis 14-Jährige eingerichtet werden.

    Ein konkretes pädagogisches Konzept gibt es vonseiten des Bildungsministeriums nicht. Da möchte man die Erfahrungen der Modellregionen abwarten, auch das sei Schulautonomie, heißt es dazu aus dem Ministerium. Flächendeckend möchte Vorarlberg die Gesamtschule einführen. Insgesamt zehn Unterstufen einer AHS und 62 Haupt- beziehungsweise Neue Mittelschulen (NMS) wären davon betroffen.

    Weiterer Ablauf

    Bereits Ende 2015 wurde ein Plan zur Umsetzung für die gemeinsame Schule vorgestellt. Dem vorangegangen ist ein zweijähriges Forschungsprojekt. Die Empfehlungen daraus finden sich im Umsetzungsplan wieder. Dazu gehören Personal-, Unterrichts- und Organisationsentwicklung. Ab 2025 soll die gemeinsam Schule eingeführt werden.

    Die Gesamtschule müsse gut vorbereitet werden, heißt es dazu von der Vorarlberger Landesregierung. So habe sich der Zeitrahmen von zehn Jahren ergeben. Acht thematische Arbeitsgruppen wurden bereits eingerichtet. Dazu gehören Themen wie das pädagogische Konzept, Unterstützung für Schulen mit besonderen Herausforderungen, datenbasierte Schulentwicklung, rechtliche und organisatorische Voraussetzungen, aber auch Pädagogenaus- und -weiterbildung.

    Leichte Verzögerung

    Einige Punkte – beispielsweise im Bereich der Lehrerfortbildung – wurden bereits umgesetzt, bei anderen kommt es zu leichten Verzögerungen. Dazu gehört die Erprobung des pädagogischen Konzepts an einigen Pilotschulen, die bereits 2017 starten hätte sollen, dieser Start wird um ein Jahr verschoben. Der Grund dafür sei aber nicht in der Bildungsreform zu finden.

    Größte Hürde wird aber vermutlich die Zustimmung der Eltern beziehungsweise Lehrer an den einzelnen Schulstandorten sein. Stimmt etwa ein größerer Teil der Schulpartner an den AHS-Unterstufen in Vorarlberg gegen eine Teilnahme an der Modellregion, gibt es ein Problem: Dann kann es zwar eine Modellregion geben, aber es würde sich dann eben (wegen der Ausweichmöglichkeiten an die bestehen bleibenden Gymnasien) um keine gemeinsame Schule handeln.

    Umfrageergebnisse

    In dem Forschungsprojekt wurde auch die Zustimmung der Eltern und Lehrer zur gemeinsamen Schule bis 14 Jahre erfragt. Rund 6.600 Eltern von Kindern der Sekundarstufe I und 1.300 Lehrpersonen wurden dafür befragt. Bei Eltern findet die gemeinsame Schule eine deutliche Zustimmung, bei den AHS-Lehrern fällt die Zustimmung mit 25 Prozent deutlich schwächer aus als bei ihren Kollegen an einer NMS. Immerhin 77 Prozent befürworten eine gemeinsame Schule.

    Dennoch lasse sich nicht abschätzen, wie viele der Vorarlberger Schulstandorte sich an der Modellregion beteiligen werden. Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) betonte diesbezüglich, "dass wir natürlich eine möglichst große Region entwickeln wollen, über die Jahre hinweg". Man müsse die Eltern überzeugen und die Lehrer einbinden. Wenn man von Autonomie spreche, dann gelte es, diese auch zu leben, sagt er. (ost, 12.6.2017)

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