Nadal dreht die Uhr zurück: "Ich habe jeden Tag Zweifel"

    12. Juni 2017, 12:53
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    Rafael Nadal hat mit "La Decima" in Paris Geschichte geschrieben und die Uhr zurückgedreht. Während der Spanier gewohnt bescheiden blieb, huldigte ihm die Sportwelt

    Paris – Als Rafael Nadal Paris nach einem letzten Fotoshooting mit der Siegertrophäe am Montag verließ, nahm der alte und neue Sandplatzkönig die bekannten Gefühle mit. "Ich habe jeden Tag Zweifel. Und das ist gut so", sagte der "La Decima"-Gewinner von Roland Garros: "Die Zweifel sorgen dafür, dass du weiter hart arbeitest und demütig bleibst. Wenn du sie nicht hast, bist du arrogant."

    Auch in der Stunde des Triumphs blieb der "Außerirdische", wie die "Marca" den zehnmaligen French-Open-Champion Nadal bezeichnete, bodenständig, ehrlich – und realistisch. "Ob jetzt der Druck weg ist? Nein, in einer Woche spiele ich das Turnier in Queens. Da ist der Druck wieder da", meinte "Champ10n" Nadal – und grinste spitzbübisch.

    Als der 31-Jährige drei Stunden nach seiner Gala im Bauch der Philippe-Chatrier-Arena saß, hatte er längst "sein" T-Shirt übergestreift. Auf der Rückseite prangte das X, die römische 10.

    "Einfach unglaublich, Rafa", twitterte Roger Federer anerkennend. Wohl wissend, dass die alte und so faszinierende Rivalität zwischen ihm und Nadal in dieser Saison eine Renaissance erlebt.

    Der 35-jährige Federer hatte zu Jahresbeginn überraschend die Australian Open gewonnen, jetzt zog der Spanier mit dem Coup in seinem Sandplatzreich nach. Diese Konstellation hatte es zuletzt 2010 gegeben.

    Renaissance

    "Dass wir beide gut spielen können, das wissen wir, aber dass es noch gegen die Besten reicht, hätten wir vielleicht auch nicht mehr ganz gedacht", sagte Federer dem SWR am Rande des Mercedes Cups in Stuttgart.

    Der Schweizer hatte viereinhalb Jahre auf seinen 18. Grand-Slam-Triumph warten müssen – Nadal drei Jahre auf seinen 15. Major-Erfolg. Einige Experten hatten das Duo, das in der vergangenen Saison monatelang wegen Verletzungen pausieren musste, bereits abgeschrieben.

    Von wegen. "In diesem Jahr ist da schon wieder diese Rivalität zwischen uns ...", sagte Nadal. Die Uhr ist zurückgedreht. Auch weil Rivalen wie der britische Weltranglistenerste Andy Murray und Novak Djokovic (Serbien) schwächeln.

    Bezeichnend, dass Nadal und Federer insgesamt vier der fünf Masters-Turniere 2017 gewonnen haben – einzig der Deutsche Alexander Zverev brach mit seinem Sieg in Rom in die Phalanx der fantastischen zwei ein.

    "Eine sensationelle Wiederauferstehung", titelte "AS" über den jüngsten Nadal-Coup. "Viva la decima – ein perfektes Roland Garros", schrieb die "L'Equipe", während "El Mundo Deportivo" ein wenig Mitleid mit dem im Paris-Finale hoffnungslos unterlegenen Schweizer Stan Wawrinka (2:6, 3:6, 1:6) hatte: "Aus ihm wurde Asche", meinte das Blatt und urteilte über Nadal: "Rafa zeigte sich mit dem gleichen Hunger wie 2005."

    Ungebrochene Motivation

    Nadal wurde nicht müde zu betonen, dass seine Motivation ungebrochen sei. "Ich will natürlich weiter um die wichtigen Erfolge mitspielen", sagte er gewohnt zurückhaltend.

    Der Linkshänder von der Sonneninsel Mallorca ist mit all seinen Blessuren in der Vergangenheit ein gebranntes Kind. Kein Wunder, dass er mit Zielsetzungen für das anstehende Turnier in Wimbledon (ab 3. Juli) vorsichtig ist. "Ich spiele gerne auf Rasen, aber meine Knie müssen halten", meinte Nadal. Die "Marca" jedenfalls schrieb: "Wenn er gesund ist, dann ist Rafa eine Dampfwalze." Gute Voraussetzungen für Wimbledon. (sid, 12.6.2017)

    • Drei Monumente: Freiheitsstatue, Eiffelturm, Rafael Nadal.
      foto: apa/afp/christophe simon

      Drei Monumente: Freiheitsstatue, Eiffelturm, Rafael Nadal.

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