Österreich verliert in Irland 1:1

11. Juni 2017, 20:14
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Nach dem Remis in Dublin ist die WM-Teilnahme für Österreichs Nationalteam nur noch Theorie

Dublin – Der Glaube versetzt Berge, Gefühle müssen nicht täuschen. Trotzdem musste Österreichs Fußballteam am Sonntag in Dublin gegen Irland in der 85. Minute den Ausgleich zum 1:1 hinnehmen. Die Revanche für die 0:1-Niederlage von Wien ist somit nicht geglückt. Und die WM-Qualifikation der Gruppe D hat keinen Zuwachs an Sinn bekommen. Die Wahrscheinlichkeit, 2018 die Endrunde in Russland zu beehren, ist überhaupt nicht gestiegen. Das Unterfangen ist noch komplizierter geworden.

Teamchef Marcel Koller nominierte elf Optimisten, Salzburgs Stefan Lainer und Bremen-Legionär Florian Kainz gaben ihr Startelfdebüt, Martin Harnik saß wohl auch zur Überraschung von Harnik auf der Bank, er wurde also nicht in die stürmische Irische See geworfen.

Roy Keane, der Assistent von Teamchef Martin O‘Neill, hatte das Match mit einem Krieg verglichen, der Aberwitz sitzt dem Herrn im Nacken. Aber auch die hiesigen Zeitungen schrieben im Vorfeld von einer Entscheidungsschlacht, einem Kampf bis zum Umfallen, notfalls bis hin zum Beinbruch. Um es normal auszudrücken: Ein intensives Fußballspiel war garantiert.

Erst Halbzeit hui

Koller wählte ein 4-1-4-1-System, die Österreicher wollten den Ball flach halten, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen. 4. Minute: erste gelungene Aktion, Kainz zu Zlatko Junuzovic, dessen Flachschuss fällt zu sanft aus. Es lief überhaupt ganz gut an, der Ball rollte durch die eigenen Reihen, man scheute keine Zweikämpfe, die Wucht der Iren kam überhaupt nicht zum Tragen, Tormann Heinz Lindner hatte wenig zu tun. 23. Minute: erste Chance für die Gastgeber, nach einem Fehlpass von David Alaba wird ein schneller Konter gefahren, Jon Walters kommt recht frei zum Abschluss, verschießt aber. Die Iren wurden daraufhin schonungsloser, härter, der spanische Schiedsrichter David Fernandez Borbalan hielt dagegen.

Hinteregger netzt

31. Minute: Alaba passte einen Corner flach in den Strafraum, Sebastian Prödl springt über den Ball, Martin Hinteregger trifft aus rund zwölf Metern zum selbstverständlich umjubelten 1:0, der präzise Flachschuss verdient das Prädikat praktisch unhaltbar. Für den 24-jährigen Augsburg-Legionär war es das zweite Tor im Nationalteam, die Premiere war das 1:0 beim 2:1 in Georgien.

Die Halbzeitführung war durchaus verdient, ein selbstbewusster Auftritt, Koller hatte die richtige Taktik ausgedacht, die Spieler haben sie in den meisten Phasen umgesetzt. Ihre fußballerischen Qualitäten übertrafen jene der Iren, damit war aber fast zu rechnen. Die Ausfälle (Arnautovic, Schöpf, Janko, Sabitzer) wurden anfangs verkraftet, das war zumindest erhofft worden. Kainz agierte an der linken Seite extrem auffällig.

Zweite Halbzeit pfui

Die zweite Halbzeit startete rasant, Shane Duffys Kopfball verfehlte knapp das Ziel, das überaus faire Publikum im Aviva Stadium erwachte. Alaba vergab eine Chance auf die Vorentscheidung (48.), Aleksandar Dragovic stoppte Walters mit einem perfekten Tackling und im letzten Moment (50.).

Die ÖFB-Auswahl versuchte es zwar weiter mit Fußball, sie musste aber einsehen, dass die Iren überhaupt nicht gewillt waren zu verlieren. Der Vorsprung wurde vorerst gehalten, das Glück war in manchen Situationen hold, denn die eine oder andere Ausgleichschance war nicht zu verheimlichen, Lindner rettete einmal vor Lainer, Lainer einmal auf der Linie. Offensiv war Österreich nicht mehr vorhanden.

Walters netzt

Koller brachte im Finish Harnik und Florian Grillitsch, ersetzte aber nicht den deutlich angeschlagenen Dragovic, der unbedingt weiterspielen wollte. Das rächte sich bitter. 85. Minute: ein langer Ball auf Walters (typisch Irland), der Stürmer von Stoke City lässt Dragovic stehen, schießt trocken zum selbstverständlich umjubelten 1:1 ein.

Die Iren hatten dann noch Möglichkeiten auf den Sieg, ihr Wille versetzt eben auch Berge. "Es war sein sehr intensives Spiel", sagte Marcel Koller. "Es hängt alles an einem kleinen Schnürchen. Ein letztlich verdientes 1:1, schade. Es sind noch zwölf Punkte zu vergeben."

Die Qualifikation wird am 2. September in Cardiff gegen Wales fortgesetzt, drei Tage später tritt Georgien in Wien an. Jetzt zählen wirklich nur noch Siege. (Christian Hackl aus Dublin, 11.6.2017)

Fußball-WM-Qualifikation, Gruppe D, 6. Runde, Sonntag

Irland – Österreich 1:1 (0:1)
Dublin, Aviva Stadium, 48.000 Zuschauer, SR Fernandez Borbalan (ESP)

Torfolge:
0:1 (31.) Hinteregger
1:1 (85.) Walters

Irland: Randolph – Christie, Duffy, K. Long, Ward (56. Murphy) – Arter (71. Hoolahan), Whelan (77. McGeady) – Brady, Hendrick, McClean – Walters

Österreich: Lindner – Lainer, Dragovic, Prödl, Hinteregger – Baumgartlinger – Lazaro, Alaba, Junuzovic (79. Grillitsch), Kainz (90. Gregoritsch) – Burgstaller (75. Harnik)

Gelbe Karten: Brady, Christie bzw. keine

Stimmen

Zlatko Junuzovic (Mittelfeldspieler Österreich im ORF): "Es ist sehr bitter, wenn du so lange 1:0 führst. Es war ein ordentliches Spiel, aber nicht das beste. Es ist natürlich schade, wir haben zwei Punkte liegengelassen. Aber es war auch wichtig, dass wir nicht verloren haben. Zum Schluss waren doch einige brenzlige Situationen. Die WM-Chance ist immer da. In den nächsten Spielen ist alles möglich."

Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Es war ein sehr intensives Spiel. Wir haben den Ball in der ersten Hälfte auch kontrolliert. Wir haben nicht viel Druck bekommen. In der zweiten Hälfte haben wir gewusst, dass die Iren Druck machen. Sie haben neue Spieler gebracht. Bei uns gab es ein bisschen Probleme, weil wir den Ball nicht mehr so zirkulieren lassen konnten. Dadurch ist der Druck immer größer geworden. Wir hätten das 2:0 erzielen können, hatten aber in der Defensive auch ein bisschen Glück bei einigen Szenen. Schlussendlich ist das 1:1 verdient. Es sind noch zwölf Punkte zu vergeben. Wir wollten dieses Spiel gewinnen oder, wenn es dafür nicht reicht, zumindest ein Unentschieden holen. Die vier Punkte Rückstand (auf Irland) sind noch da. Es sind immer weniger Spiele. Man muss irgendwann beginnen zu gewinnen."

Martin O'Neill (Teamchef Irland): "Wir hatten eine sehr harte erste Hälfte. Österreich war besser als wir. Wir hatten am Anfang 15 sehr schwache Minuten, da war kein Druck auf Österreich. Ich war fast dankbar, dass wir zur Pause nur ein Tor hinten waren. In der zweiten Hälfte waren wir fantastisch, was die Energie betrifft. Wir waren hocherfreut über den Ausgleich. Dann haben wir sogar ein reguläres Tor aberkannt bekommen. Es war ein korrektes Tor. Der Schiedsrichter war sehr schwach heute. Die meisten Entscheidungen sind in Richtung der Österreicher gegangen."

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Nachlese Liveticker: Österreich verliert in Irland zwei Punkte

Gruppe D: Serbien und Wales trennen sich 1:1

  • Aleksandar Dragovic (links) hatte mit dem bulligen irischen Stürmer Jon Walters seine Müh und Not.
    foto: afp/faith

    Aleksandar Dragovic (links) hatte mit dem bulligen irischen Stürmer Jon Walters seine Müh und Not.

  • Für Innenverteidiger Sebastian Prödl war es auch ein harter Arbeitstag gegen heranrauschende Iren.
    foto: reuters/o'brien

    Für Innenverteidiger Sebastian Prödl war es auch ein harter Arbeitstag gegen heranrauschende Iren.

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