Südtirol: Mattarella und Van der Bellen feiern 25 Jahre Streitbeilegung

11. Juni 2017, 17:30
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Bundespräsident Van der Bellen: "Südtirol ist kein Streitfall mehr, es verbindet uns zusätzlich"

Es war ein unerwartetes, schräges Bild. Aber ein besseres Symbol für die entspannte Realität in Südtirol ließe sich kaum erfinden: Statt der Schützen, die sich im Vorfeld der Feier zum 25. Jahrestag der Streitbeilegungserklärung zwischen Italien und Österreich weigerten, an dem Festakt teilzunehmen, weil dort die italienische Hymne gespielt werden sollte, marschierten Impfgegner vor dem Meraner Kurhaus auf. Sie protestierten gegen die jüngst in Italien eingeführte Impfpflicht. Also hieß es auf der Kurpromenade nicht "Los von Rom", sondern lautstark "Impffreiheit", statt Spielhahnfedern flatterten Jutesäcke im Sommerwind.

Im vollbesetzten Kurhaus selbst erinnerten die Redner an Südtirols wechselvolle Geschichte. Gastgeber Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) sagte, das nach dem Ersten Weltkrieg von Österreich abgetrennte Land südlich des Brenners habe seit der Beendigung des Streits zwischen Rom und Wien 1992 eine sozial, ökonomisch und kulturell bemerkenswerte Entwicklung genommen. Heute gehöre Südtirol zu den wenigen Nettozahlern in Richtung Rom. Aber: "Die Erfolgsgeschichte ist uns nicht in den Schoß gefallen. Dazu gehörten Diplomatie, Weitsicht und eine Portion Sturheit in Grundsatzfragen."

"Symbol der Nähe"

Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella verwies in seiner Rede über "Alto Adige / Südtirol", dass der Brenner heute nicht mehr ein Symbol der Trennung, sondern ein Symbol der Nähe zwischen beiden Staaten sei.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der auch als Tiroler sprach, sagte: "Südtirol ist kein Streitfall mehr, es verbindet uns zusätzlich. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit." Die Südtirol-Autonomie sei ein Modellfall, alle Sprachgruppen hätten von ihr profitiert. Darüber hinaus verstehe er die Befürchtungen in Bozen und Rom bezüglich eines Grenzmanagements am Brenner. Darauf werde man in Wien einzugehen versuchen. Zuletzt hatte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter mit Blick auf illegale Migranten gesagt, die Schließung des Brenners sei "auf Knopfdruck möglich". (Christoph Prantner aus Meran, 11.6.2017)

  • Gutgelaunte Präsidenten, schneidige Kürassiere: Es gibt für Staatschefs mit Sicherheit schwierigere Termine, als einem Landstrich zu Frieden und Wohlstand zu gratulieren.
    foto: apa/bundesheer

    Gutgelaunte Präsidenten, schneidige Kürassiere: Es gibt für Staatschefs mit Sicherheit schwierigere Termine, als einem Landstrich zu Frieden und Wohlstand zu gratulieren.

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