Dieses verdammte Internet: Wie sahen Sie den "Tatort" aus Dresden?

Ansichtssache11. Juni 2017, 18:42
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Von "einfallslos" bis "unterhaltsam": Weit spannt sich die Kritik an der Folge "Level X". Was ist Ihre Meinung zum Sonntags-"Tatort" auf ORF 2

Als Simson sich bei einem dreisten "Prank" – einem gefilmten und im Internet verbreiteten Streich – mit einer Rockergruppe anlegt, wird er von einem Unbekannten erschossen. Die Dresdner Kommissarinnen Heni Sieland und Karin Gorniak suchen am Sonntag um 20.15 Uhr in ORF 2 in den Aufnahmen nach Hinweisen auf den Mord. Ins Visier gerät neben Simsons überspanntem Manager und seinem gewissenlosen Konkurrenten auch ein Mediziner, dessen illegaler Handel mit rezeptpflichtigen Medikamenten von Simson gefilmt wurde. Und welche Rolle spielt die junge Emilia, die wertvolle Hinweise gibt und außerdem Simsons Tod kaum zu verkraften scheint? Fragen über Fragen. Und wie sehen Sie die neueste Folge des "Tatort"?

foto: orf/ard/gordon muehle

"Was wirklich nervt an diesem Tatort"

"Dieser angestrengt jugendliche, angestrengt medienkritische, angestrengt mit dem Finger auf die Konkurrenz zeigende Fernsehkrimi ist etwas unglücklich in eine ARD-Themenwoche 'Woran glaubst Du?' programmiert worden. Das Internet als Glaubensbekenntnis? Eher nicht", fasst Christian Buß auf spiegel.de zusammen.

"Der 'Tatort' soll wohl dazu anregen, über Lüge und Wahrheit im Netz nachzudenken und darüber, wie kreditwürdig Internetstars sein können, die ihre Persönlichkeit nach klickrelevanten Kriterien aufmotzen. Klar, kann man drüber sprechen. Aber bitte nicht so."

"Was wirklich nervt an diesem 'Tatort': wie wenig er sich in Wirklichkeit um sein Thema schert. Wie einfältig er seine Figuren zeichnet, wie einfallslos er die gängigsten Klischees zum Klickkapitalismus zwischen Beauty-Shopping und Prankstertum aneinanderreiht."

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foto: orf/ard/gordon muehle

Zu 99 Prozent aus Vollidioten

"Nun krankt 'Level X' an etwas, an dem auch andere 'Tatort'-Episoden bereits scheiterten", schreibt Michael Setzer auf stuttgarter-zeitung.de. "Dem Moralisieren und inhaltlichen Verknappen für größtmögliche Griffigkeit und Zielgruppen-Reichweite. Ob Hooligan-Kultur oder hier nun das Internet: Wo ständig alles über einen denkbar kleinen Kamm gebürstet wird, ist klar, dass jemand Haare lassen muss."

"Diese Episode scheint davon auszugehen, dass die 'Generation Youtube' zu 99 Prozent aus Vollidioten besteht und sich bereitwillig melken lässt. Auch deswegen hört man hier förmlich den ARD-Programmdirektor rufen: 'Ey, Leude, lasst uns mal was Nices für die Kidz machen. Irgendwas mit Internet.'"

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foto: orf/ard/gordon muehle

"Dieses verdammte Internet"

STANDARD-Kritiker Sebastian Fellner sieht es nicht ganz so kritisch: "So erkunden die Ermittlerinnen die digitale Welt und erfahren, was die jungen Menschen im Internet heute alles machen – und wer daran verdient. Zum Beispiel der slicke #Talentmanager' Magnus Cord (Daniel Wagner), für den im Drehbuch etwas zu tief in die Anglizismenkiste gegriffen wurde ('Content is king, und er hat delivert')."

"Der ,Tatort' selbst hält sich mit der Modernisierungsangst zurück und überlässt sie – erfolgreich und unterhaltsam – Kommissariatsleiter Schnabel (,Kann denn nicht jemand dieses verdammte Internet einfach wieder abschalten?')." (red, 11.6.2017)

Und wie sahen Sie den "Tatort: Level X"?

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