Miliz in Libyen gibt Freilassung von Gaddafi-Sohn Seif bekannt

10. Juni 2017, 23:03
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Der 44-Jährige sei am Freitagabend freigelassen worden, erklärte die Brigade Abu Bakr al-Sadik

Kairo – Eine bewaffnete Gruppe in Libyen hat die Freilassung des zweitältesten Sohnes von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi, Seif al-Islam, bekannt gegeben. Der 44-Jährige sei am Freitagabend freigelassen worden, erklärte die Brigade Abu Bakr al-Sadik, die die westlibysche Stadt Sintan kontrolliert, am Samstag.

Eine Bestätigung vom Anwalt des Gaddafi-Sohnes oder vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), der sich seit Jahren vergeblich um dessen Auslieferung bemüht, gab es zunächst nicht.

Gaddafis zweitältester Sohn war im November 2011 von Milizen, die aus früheren Rebellengruppen hervorgegangen waren, festgenommen und in Sintan inhaftiert worden. Im Juli 2015 wurde er wegen Verbrechen während des blutig bekämpften Aufstands gegen seinen Vater zum Tode verurteilt. Das Verfahren und das Todesurteil wurden von der UNO und von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert.

Amnestie-Gesetz ist Grundlage

Wie die Brigade Abu Bakr al-Sadik auf Facebook bekannt gab, erfolgte die Freilassung nun auf der Grundlage eines Amnestie-Gesetzes, welches das international nicht anerkannte Parlament im Osten des Landes erlassen hatte. "Er ist ab jetzt frei und hat die Stadt verlassen", erklärte die Miliz.

Der Anwalt des Gaddafi-Sohnes beim IStGH, Karim Khan, erklärte in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP, er könne die Freilassung seines Mandaten "im Moment weder bestätigen noch dementieren". Auch der IStGH äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. Im Juli 2016 hatten sich Berichte über eine Freilassung Seif al-Islams als falsch herausgestellt.

Seif al-Islam galt lange als möglicher Nachfolger seines Vaters. Vor der Revolte gegen Gaddafi galt er als Befürworter einer Annäherung an den Westen und einer Öffnung des Systems, nach Beginn der Proteste im Februar 2011 befürwortete er jedoch ein hartes Vorgehen gegen die Opposition. Einen Monat nach dem Tod seines Vaters im Oktober 2011 wurde auch Seif al-Islam gefasst.

Bemühen um Auslieferung

Der Internationale Strafgerichtshof bemüht sich seit Jahren vergeblich um eine Auslieferung des Gaddafi-Sohns. Der Gerichtshof hatte 2011 auf dem Höhepunkt der Revolte einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen ihn erlassen. Das Gericht wirft Seif al-Islam vor, die brutale Niederschlagung des Aufstands gegen seinen Vater maßgeblich mitgeplant zu haben. Zwischen Tripolis und Den Haag entbrannte jedoch ein Streit darüber, vor welchem Gericht er sich verantworten sollte.

In Libyen konkurrieren seit dem Sturz Gaddafis im Zuge eines NATO-Einsatzes zahlreiche Milizen und Clans sowie zwei rivalisierende Regierungen und Parlamente um die Macht. Die bewaffneten Gruppen in Sintan lehnen die von der internationalen Gemeinschaft anerkannte Einheitsregierung in der Hauptstadt Tripolis ab.

Drei der sieben Söhne Gaddafis wurden während der Revolte gegen ihren Vater getötet. Neben Seif al-Islam steht in Libyen noch sein jüngerer Bruder Saadi vor Gericht. Er muss sich wegen der Bekämpfung der Revolte und der Ermordung eines Fußballtrainers verantworten. Gaddafis zweite Frau, seine Tochter und zwei weitere Söhne flohen nach Oman. (APA, 11.6.2017)

  • Saif al-Islam mit dem damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider in Velden
    foto: apa/gert eggenberger

    Saif al-Islam mit dem damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider in Velden

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