Das Spiel nach dem Sprechdurchfall

10. Juni 2017, 20:39
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Österreichs Fußballteam ist mit großer Zuversicht in Irland eingetroffen. Teamchef Koller bastelte bis zuletzt noch an der Startelf

Dublin – Das Abschlusstraining im Aviva Stadium wurde am späten Samstagnachmittag unfallfrei absolviert, in Dublin schien sogar die Sonne, der Atlantik hatte eine Brise geschickt, ein faires Skispringen wäre unmöglich gewesen.

Die schmucke, architektonisch durchaus interessante Hütte wird am Sonntag bei Anpfiff der WM-Qualifikationspartie um 18 Uhr voll sei , die meisten Zuschauer werden grün gekleidet erscheinen, der gewöhnlich irische Fußballfan gilt als engagiert aber auch fair. Der Nationalismus wirkt nicht widerlich, der Hang zum Bier ist legendär. Die österreichischen Fußballer werden sich von der Stimmung und Kulisse kaum schrecken lassen, sie sind große Bühnen gewöhnt. Ausgenommen jene, die in der heimischen Liga dienen und zweimal pro Saison in die Lavanttalarena müssen.

Der Optimismus ist groß, laut Teamchef Marcel Koller ist er nicht aufgesetzt, er kommt von innen, aus der Tiefe des Herzens. Die Zuversicht habe Gründe, die Vorbereitung sei nahezu perfekt gewesen. Es ist Kollers 50. Spiel, ihn tangiert dieses Jubiläum kaum. "Ich freue mich auf jedes Spiel, will immer gewinnen oder zumindest ein unentschieden erreichen." Dass Gefühle auch täuschen können, hat die österreichische Nationalmannschaft zuletzt mehrmals bewiesen. Denn pessimistisch ist sie vor den Niederlagen nie gewesen. Koller sagte: "Es ist wichtig, eine gewisse Ruhe zu haben und die Überzeugung, das auf den Platz bringen zu können. Ich vertraue auf die die individuelle mentale Qualität."

Option Burgstaller

Einige Offensivkräfte müssen vorgegeben werden, aber das mittlerweile langweilig, Marko Arnautovic, Marc Janko, Alessandro Schöpf und Marcel Sabitzer fehlen halt. Als möglicher Torschütze wird Guido Burgstaller gehandelt, allerdings hat der Schalke-Angreifer in bisher zehn Länderspielen null Mal getroffen. "Er hat jetzt mehr Ruhe in seinem Spiel, auch vor dem Tor", sagte Koller. "Wir sollten das aber nicht auf einen Spieler fokussieren. Es ist wichtig, dass jeder Tore schießen sollte, wenn er in die Position kommt." Zehn Großchancen werde man in Dublin nicht erhalten. "Es heißt, nicht viele Möglichkeiten auszulassen. In einem Spitzenkampf heißt es, die erste zu nützen, oder sonst zumindest die zweite." Sonntagmittag verrät er der Mannschaft die Aufstellung, Koller ist noch am Überlegen, er schläft über gewisse Positionen. "Es ist auch so, dass da Konkurrenz ist, dass jeder etwas zeigen möchte."

Die martialischen und an Blödheit kaum überbietbaren Worte von Irlands Co-Trainer Roy Keane, der den Österreichern auf dem Platz einen "Krieg" angekündigt hatte, wollte Koller nicht überbewerten. "Ich halte nicht viel davon, wenn man so kriegerische Worte benützt." Die körperbetonte Spielweise und Zweikampfstärke der Iren sei nichts Neues. "Darauf haben wir das Team vorbereitet. Und es gibt ja noch einen Schiedsrichter, der eingreifen kann und sollte, wenn es zu intensiv werden sollte."

O’Neill ist nicht Keane

Irlands Teamchef Martin O’Neill relativierte am Samstag Keanes Sprechdurchfall vom Freitag. "Roy ist 14 Jahre lang jedes Mal, wenn er gespielt hat, in den Krieg gezogen. Was er gemeint hat, ist, dass man eine starke Mentalität braucht und bereit sein muss zu kämpfen, weil Quali-Spiele eben genau so sind – harte Partien. Es wird harte Arbeit. Wir haben Respekt vor Österreich."

ÖFB-Teamkapitän Julian Baumgartlinger hält Keanes Aussagen für entbehrlich. "Damit hat er völlig über das Ziel hinausgeschossen. Aber damit beschäftigen wir uns nicht. Wir haben vorher schon gewusst, dass die Iren sehr körperbetont spielen. Das wissen wir nicht erst seit diesen Aussagen."

Und Martin Harnik, der am Samstag 30 Jahre wurde und mit 15 Treffern in 65 Partien der beste Scorer im aktuellen Aufgebot ist, fügte an. "Es wird spannend und nervenaufreibend, aber mit Krieg hat das nichts zu tun. Ich bin mir sicher, dass sich jeder gegen die Iren stellen kann. Ich glaube nicht, dass wir uns körperlich verstecken müssen. Wir müssen unsere fußballerischen Möglichkeiten ausschöpfen. Druck ist allgegenwärtig. Es wird ein geiles Spiel, das wir alle gewinnen wollen, von mir aus auch müssen." Harnik ist übrigens großer Optimist. (Christian Hackl aus Dublin, 10.6. 2017)

Mögliche Aufstellungen:

Irland – Österreich (Aviva Stadium, 18.00 Uhr MESZ/live ORF eins, SR Fernandez Borbalan/ESP)

Irland: Randolph (West Ham) – Christie (Derby County), Keogh (Derby County), Duffy (Brighton & Hove Albion), Ward (Burnley) – Arter (Bournemouth), Whelan (Stoke City) – Brady (Burnley), Hendrick (Burnley) McClean (West Bromwich) – Walters (Stoke City)

Ersatz: Westwood (Sheffield Wednesday), C. Doyle (Bradford City) – Pearce (Derby County), O'Shea (Sunderland), Boyle (Preston North End), Egan (Brentford), K. Long (Burnley), McGeady (Everton), Hourihane (Aston Villa), O'Kane (Leeds United), Hoolahan (Norwich City), O'Dowda (Bristol City), Horgan (Preston North End), Browne (Preston North End), Hayes (Aberdeen), Murphy (Newcastle)

Es fehlen: Coleman (Schien- und Wadenbeinbruch), McCarthy (Oberschenkelverletzung), S. Long (Mittelfußbruch), Clark, Meyler, McGoldrick (alle Knieverletzung)

Österreich: Lindner (Eintracht Frankfurt/10 Länderspiele) – Dragovic (Bayer Leverkusen/56/1 Tor), Prödl (Watford/62/4), Hinteregger (Augsburg/24/1) – Lazaro (Salzburg/7/0), Baumgartlinger (Bayer Leverkusen/53/1), Junuzovic (Werder Bremen/54/7), Alaba (Bayern München/56/11) – Harnik (Hannover/65/15), Burgstaller (Schalke/10/0), Kainz (Werder Bremen/1/0)

Ersatz: Bachmann (Stoke City/0), Kuster (Mattersburg/0) – Klein (VfB Stuttgart/45/0), Lainer (Red Bull Salzburg/1/0), Stangl (Salzburg/1/0), Wimmer (Tottenham/8/0), Danso (Augsburg/0), Grillitsch (Werder Bremen/1/0), Laimer (Salzburg/0), Schaub (Rapid/2/0), Gregoritsch (Hamburger SV/2/0), Alar (Sturm Graz/0)

Es fehlen: Arnautovic, Ilsanker (beide gesperrt), Janko (Angina), Sabitzer (Oberarmverletzung), Schöpf (Kreuzbandeinriss), Almer (Kreuzbandriss), Lukse (Schulter-OP)

  • Teamchef Marcel Koller und sein Co Thomas Janeschitz warten in Dublin mitnichten auf eine Eingebung von oben.
    foto: apa/jäger

    Teamchef Marcel Koller und sein Co Thomas Janeschitz warten in Dublin mitnichten auf eine Eingebung von oben.

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