US-Whistleblowerin Manning: Gerechtigkeit ist Genüge getan

9. Juni 2017, 23:24
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Wikileaks-Informantin gab erstes Interview nach Entlassung aus siebenjähriger Haft

Washington – Die Wikileaks-Informantin Chelsea Manning hat am Freitag in ihrem ersten Interview seit ihrer Entlassung aus dem Gefängnis erklärt, der Gerechtigkeit sei Genüge getan worden. Für die Verbreitung von 700.000 vertraulichen Armeedokumente und Depeschen der US-Diplomatie übernehme sie die Verantwortung, sagte die 29-jährige dem US-Sender ABC.

"Niemand hat mir gesagt, das zu tun. Niemand hat mich dazu angeleitet", fügte sie hinzu. Es sei allein ihre Entscheidung gewesen. Manning hatte die Unterlagen von Militärrechnern heruntergeladen und 2010 der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. Damals war sie als Obergefreiter Bradley Manning in der Nähe von Bagdad stationiert. Dem Sender sagte sie, die Nachrichten über die Aufstandsbekämpfung an den Kriegsschauplätzen in Afghanistan und im Irak sowie die Berichte über getötete Zivilisten hätten sie erschüttert. Sie hegte demnach die Hoffnung, eine Debatte über die Kriege anstoßen zu können.

Selbstmordversuche

Im Mai 2010 wurde Manning festgenommen und im August 2013 zu 35 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe verbüßte sie im Militär-Hochsicherheitsgefängnis Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas, wobei sie zwei Selbstmordversuche unternahm. Im April 2014 trug ein US-Gericht Mannings Wunsch Rechnung, sich Chelsea nennen und als Frau leben zu wollen. Später erlaubte die US-Armee ihr auch eine Hormonbehandlung zur Geschlechtsumwandlung.

Mitte Mai kam Manning vorzeitig auf freien Fuß. Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt hatte ihr US-Präsident Barack Obama den größten Teil der Haftstrafe erlassen. Obamas Nachfolger, der seit Jänner amtierende Donald Trump hatte Manning als "Verräterin" bezeichnet, die "niemals" das Gefängnis verlassen dürfe. (APA, 9.6.2017)

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