Ölpreis schwach, tanken billiger

9. Juni 2017, 18:16
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Die von Opec, Russland und anderen erst im Mai paktierte Verlängerung der Förderkürzung hat Rohöl verbilligt statt verteuert. Autofahrer profitieren, der Sprit kostet weniger

Wien – So haben sich das die Minister der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und anderer wichtiger Produzentenländer wie Russland und Mexiko wohl nicht vorgestellt: Der Ölpreis fällt und fällt, obwohl sie erst im Mai beschlossen haben, den Deckel für weitere sechs Monate auf der Ölproduktion zu halten. Trotz beginnender Reisesaison stehen die Ölpreise unter Druck – zur Freude vieler Autofahrer.

"Der Ölpreis geht zurück, und wir merken das auch an der Zapfsäule," sagte Martin Grasslhuber vom Autofahrerklub ÖAMTC dem STANDARD. Im Schnitt der Vorwoche haben sich Diesel und Benzin um je einen halben Cent je Liter verbilligt; diese Woche ist es nochmals nach unten gegangen: bei Diesel im Wochenschnitt um 1,5 auf aktuell 1,065 Cent je Liter, bei Benzin um rund 0,9 auf durchschnittlich 1,155 Cent.

Am teuersten sind Treibstoffe generell an Autobahntankstellen. "Pro Tankfüllung kann die Preisdifferenz 20 Euro ausmachen", sagte Grasslhuber. Mit etwas Planung könnten Autofahrer substanziell sparen. Wer es einrichten könne, sollte sonntags oder montags tanken. "Zum Wochenende hin steigen die Preise, weil dann mehr Leute unterwegs sind. Das beobachten wir schon seit langer Zeit," sagte der ÖAMTC-Experte.

Dass der Ölpreis inzwischen wieder deutlich unter die 50-Dollar-Marke gerutscht ist, hängt mit vielen Dingen zusammen. Obwohl die Opec und andere Ölförderländer weniger Rohöl auf den Markt bringen, als sie tatsächlich könnten, füllen andere die Lücke nur zu bereitwillig auf. Dazu gehören auch, aber nicht nur, die Schieferölproduzenten in den USA.

"Kurzfristige Preisanstiege werden aktuell als Verkaufsgelegenheit erachtet", schreibt die Commerzbank. Länder wie Libyen und Nigeria, die von den Produktionskürzungen ausgenommen sind, verkaufen mehr Öl, als erwartet wurde. Zudem sind die Lager in den USA gut gefüllt.

Am Freitag notierte die für Europa preisbestimmende Sorte Brent unter 47,50 Dollar je Fass (159 Liter), so tief wie seit Anfang Mai nicht. US-Leichtöl kostete rund 45,3 Dollar je Fass. (Günther Strobl, 10.6.2017)

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