Julya Rabinowich: unisex abgefuckt

9. Juni 2017, 17:28
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"Wir müssen an deiner Dufterscheinung arbeiten", sagte ich zum arbeitslosen Bekannten

Wenn man das Pech hat, auf die Hilfe des AMS angewiesen zu sein, kommt manchmal noch der Schaden einer unmöglichen Betreuung dazu. Dann kann sich der suchend ausgelieferte Bekannte beispielsweise Sätze anhören wie: "Ich sehe nicht ein, warum der Steuerzahler dafür zahlen muss, dass Sie sich für einen Beruf entscheiden, den keiner braucht." Oder: "Wenn Sie so gut wären in Ihrer Branche, würden Sie ja nicht da sitzen." Oder: "Nein, es ist doch keine persönliche Abwertung. So reagieren sie immer alle, wenn man ihnen die Wahrheit sagt."

Die Wahrheit. Schon wieder. Diese Wahrheit ist offenbar immer auf der Seite des Tisches zu finden, wo der aktuell gesellschaftlich oder pekuniär Stärkere sitzt. Und das Gegenüber, soeben als Versager gekennzeichnet, darf die Krot schlucken. Er war wirklich niedergeschlagen.

Das erinnerte mich an eine daraufhin ehemalige Freundin, damals als Beraterin tätig, die mir erklärte, sie könne riechen, ob ihre Klienten Drogen nehmen. Das sei so ein metallischer Geruch. Das Ganze spielte in den 1990ern, und es gab haufenweise metallisch riechende Unisex-Billigdüfte.

"Wir müssen an deiner Dufterscheinung arbeiten", sagte ich zum arbeitslosen Bekannten. Geruchsmimikry war dringend gefragt. "Aber dann kommt ja wieder der Steuerzahler für mich auf", zweifelte er.

"Ich habe einiges an Düften im Bad. Gratis. Bevorzugst du etwas mehr Richtung Haremsdame oder lieber Blumenmaid?"

"Besser keine Haremsdame. Besser irgendwas Einheimisches. Sicher ist sicher." Ein Ausflug in die Onlineparfümerie brachte uns auf eine todsichere Variante. Heimischer als heimisch. Mit der rotkarierten Serie von Andreas Gabalier konnte man eigentlich wirklich nichts falsch machen. (Julya Rabinowich, 9.6.2017)

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