"Die Mumie": Endgültig ausgewickelt

    9. Juni 2017, 18:49
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    Der Blockbuster soll gleich eine Serie von Filmen mit klassischen Monstern einleiten. Das Rezept, sich fremde Ideen einzuverleiben, verpufft allerdings zu Staub

    Wien – Die Mumie ist wie das Kino selbst ein Medium, das die Zeit bewahren kann. Das ist der romantische Grund dafür, warum sie in der Filmgeschichte bis heute wenig von ihrer Faszination verloren hat. Zwischen Boris Karloff, dessen Runzeln noch wie mit spitzem Bleistift gezogen wirkten, und den digital retouchierten Wiedergängern der Gegenwart gibt es aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie gehören seit dem Erfolgsfilm von 1932 zum Inventar von Universal, weshalb sie, anders als antike Grabmäler, auch mehrmals geplündert werden können.

    kinocheck

    Im Zeitalter von Comic-Blockbustern, die auf ein "shared universe" setzen, ein von mehreren Helden bevölkertes Franchise, wollte Universal nicht zurückbleiben und hat nun die hauseigene "Dark Universe"-Marke geschaffen. Deren Ziel ist es, die klassischen Horrorfiguren aus den 30er- und 40er-Jahren – von Frankenstein, seiner Braut bis zum "Invisble Man" – neu überholt und seriell verschränkt aufzustellen. Eine Armee im Fetzenlook, die den Helden in engen Kostümen das Fürchten beibringen soll.

    Script als Monster

    So kalkuliert die Idee erscheint, das Ergebnis könnte ja trotzdem unterhaltsam sein. The Mummy / Die Mumie, inszeniert von Alex Kurtzman, Auftaktprojekt des Reboots, zeigt jedoch bestürzend schnell seine Grenzen auf. Es handelt sich um jene Sorte Blockbuster, der alles will, sich aber für nichts entscheiden kann. Anders als die Millenniumsneuauflage mit Brendan Fraser, die zwar sinnfrei, aber vergnüglich leichtfüßig daherkam, wirkt The Mummy eher so, als hätte ein Algorithmus aus Drehbuchskizzen und Attraktionen ein achtfüßiges Monster geschaffen, das sich trotzdem nicht aufrecht halten kann.

    Das Problem lautet nicht Tom Cruise, jedenfalls nicht ausschließlich. Als Grabräuber Nick Morton, der sich im Irak als Soldat tarnt, stolpert er direkt in ein Grabmal, um dort durch Unachtsamkeit die Wiederauferstehung der ägyptischen Prinzessin Ahmanet einzuleiten – einer Mumie, die anders als ihre Vorgänger weniger Liebesleid als Hass beflügelt. Die Algerierin Sofia Boutella, die im Lauf des Films den Verwesungsprozess verkehrt herum durchläuft, liefert immerhin fetischhafte Schauwerte ab.

    Ritueller Spaß

    Dass sie ausgerechnet den einfältigen Nick zu ihrem Auserwählten bestimmt, um das Böse in die Welt zu bringen, mag verwundern, ist aber komisches Kalkül. Cruise legt die Rolle des Besessenen wie andere jüngere Rollen latent selbstparodistisch an. Der Spaß bleibt dennoch rituell wie eine Grabbeigabe. Es bräuchte ein wenig szenische Intelligenz, damit er zündet; ganz abgesehen davon, dass hier Tote eingängigere Sätze als Lebende formulieren.

    Zwischen schwimmenden Zombiekreuzrittern, Russell Crowe als Schizo-"Gastmonster" und anderen Dolchstoßlegenden am zentralen Austragungsort London breitet sich gähnende Langeweile aus. Der Reboot scheitert im Innersten, am organischen Zusammenspiel von Komik, Grusel und Action. Die Hybris der Prinzessin hätte Warnung sein sollen: Wer zu viel auf einmal will, wird lebendig begraben. (Dominik Kamalzadeh, 10.6.2017)

    Jetzt im Kino

    • Für den Reboot der "Mumie" wechselte selbige auch das Geschlecht: Die algerische Schauspielerin Sofia Boutella offenbart schleichend ihre Attraktivität unter den Bandagen.
      foto: universal

      Für den Reboot der "Mumie" wechselte selbige auch das Geschlecht: Die algerische Schauspielerin Sofia Boutella offenbart schleichend ihre Attraktivität unter den Bandagen.

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