Forscher finden bestkonservierten Vogel aus Dinosaurier-Zeiten

Video9. Juni 2017, 17:52
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Vor 99 Millionen Jahren fiel ein Küken in flüssiges Baumharz und gibt heute neue Einblicke in die Welt der ausgestorbenen "Gegenvögel"

Peking/Wien – In Bernstein finden sich nicht nur perfekt konservierte Insekten, sondern auch Teile von sehr viel größeren Tieren. Kürzlich erst entdeckte man in Bernstein aus Myanmar Teile eines Dinosaurierschwanzes mit Federn. Nun legte die gleiche internationale Forschergruppe, die den Dinoschwanz beschrieb, einen noch spektakuläreren Fund vor: einen in einem sieben Zentimeter großem Stück Bernstein eingeschlossenen und fast vollständig erhaltenen Jungvogel, der vor 99 Millionen Jahren ins Harz gestürzt war.

foto: lida xing, jingmai k. o'connor, ryan c. mckellar, luis m. chiappe, kuowei tseng, gang li, ming bai
Das Stück Burmesischen Bernsteins, in dem sich der Jungvogel seit 99 Millionen Jahren befindet.

Die bei ihrem Tod nur wenige Tage alte Kreatur gehörte zu einer Gruppe von Vögeln, die als Enantiornithes oder Gegenvögel bekannt sind. Sie lebten zeitgleich mit den Vorfahren der modernen Vögel, hatten Klauen auf ihren Flügeln und statt eines Schnabels Kiefer und Zähne. Obwohl sie damals vielfältiger und erfolgreicher waren als die Vorfahren der heutigen Vögel, starben die Gegenvögel gemeinsam mit den Dinosauriern vor 66 Millionen Jahren aus.

foto: xing lida
Jungvogel mit Klauen: Im Bernstein hat sich fast jedes Detail dieses 99 Millionen Jahre alten Enantiornithes-Vertreters perfekt erhalten.

Beim Fund, der zeitgleich im Fachblatt "Gondwana Research" und im Magazin "National Geographic" vorgestellt wurde, handelt es sich laut den Forschern um Lida Xing (Chinesische Universität für Geowissenschaften) um die "kompletteste und detaillierteste Ansicht" eines Vogels aus dieser Zeit.

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Obwohl es so aussieht, als ob das Gewebe und die Federn des Vogels im Bernstein erhalten worden sind, muss Ko-Autor Ryan McKellar alle Fans von Jurassic Park enttäuschen: Was man sieht, sei im Grunde nur ein sehr detaillierter Eindruck des Tieres. "Das Gewebe hat sich in Kohlenstoff verwandelt. Es gibt leider keine DNA, die verwertbar wäre", erklärt McKellar im Fachblatt "New Scientist".

Vom Boden auf die Bäume

Die Forscher tauften den Vogel auf den Namen "Belone" – das ist der burmesische Name der bernsteinfarbenen, orientalischen Feldlerche. Der Fund bestätigt Vermutungen, die von der gleichen Forschergruppe bereits vor einem Jahr anlässlich des Fundes von Enantiornithes-Flügeln angestellt wurden. Allem Anschein nach schlüpften diese Vertreter der Gegenvögel bereits mit Flugfedern und waren dann ganz auf sich allein gestellt.

foto: cheung chung tat
Rekonstruktion des Jungvogels durch die Forscher, die ihm den Namen "Belone" gaben.

Die Eier lagen auf dem Boden, und die Jungvögel dürften dann auf Bäume geklettert sein, vermutet McKellar. Bei diesem Unterfangen könnte der Jungvogel in den Tod gestürzt sein. Und womöglich hat das elternlose Erwachsenwerden auch dazu beigetragen, dass die Gegenvögel im Gegensatz zu den Vorfahren unserer Vögel vor 66 Millionen Jahren ausstarben. (tasch, 9.6.2017)

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