Flex-Chef verliert Medienprozess um Schanigarten

12. Juni 2017, 14:09
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Die "Wiener Zeitung" hat über das Lokal am Donaukanal zwar Falsches berichtet, aber dennoch journalistisch sorgfältig gearbeitet

Wien – Thomas Eller ist nicht nur Geschäftsführer des Lokals Flex am Donaukanal, sondern auch kein Freund der "Wiener Zeitung". Weshalb er das Medium nach einem im Oktober erschienenen Artikel geklagt hat. Vor Richter Thomas Spreitzer liefert der 50-Jährige auch eine Antwort auf die Frage, ob die Zukunft Print oder Online gehört: "Ich habe mich damit getröstet, dass die 'Wiener Zeitung' ja niemand liest. Aber der Artikel ist auch auf Facebook veröffentlicht worden, da wurde ich dann darauf angesprochen."

Mit "Das Flex macht sich breit" ist der inkriminierte Text betitelt. Es geht um die Nutzungsvereinbarungen zwischen dem Lokal und der halbstaatlichen "Donauhochwasserschutz-Konkurrenz" (DHK), der der Großteil der Kaiflächen am Kanal gehört. Genauer: ob es für den rund 1.000 Quadratmeter großen, mit übermannsgroßen Holzlatten eingezäunten "Flex-Garten" eigentlich Miet- oder Pachtverträge gibt.

Nur von einem Vertrag gesprochen

Bei der DHK wurde dem Journalisten gesagt, es gebe nur einen Vertrag über 400 Quadratmeter. Das entspricht der Fläche des sogenannten "Flex-Pavillon". Der Redakteur versichert als Zeuge, extra nachgefragt zu haben, ob es nur diesen einen Vertrag gebe, was ihm versichert wurde.

Das stimmt nicht, daher empört sich Eller nun. "Es gibt seit 2010 einen Vertrag, der auf 2007 rückdatiert wurde und für den wir sogar die Miete nachzahlen mussten", sagt er. Den Verdacht, er würde öffentlichen Raum kommerziell nutzen, weist er entschieden zurück: "Ich wurde als Landräuber dargestellt! Im Gegenteil, wir mieten mehr Fläche, als wir nutzen, und stellen sie quasi unentgeltlich der Öffentlichkeit zur Verfügung."

"Invasion von Dealern"

Die Wand sei notwendig, um der "Invasion von Dealern" zu begegnen. Er legt auch einen Vermerk über eine Besprechung vor, bei der die Polizei involviert war, die den Rauschmittelhandel in der Gegend unterbinden will. Dabei ging es auch darum, die Videoüberwachung des Lokals bei Bedarf der Exekutive zur Verfügung zu stellen und das Anlegen von Drogendepots zu erschweren – eben durch einen Zaun.

Eingestehen muss Eller, dass ihn der Journalist zweimal kontaktiert hat. Und er nicht mit ihm reden wollte. "Vor etwa einem Jahr hat es schon einmal einen Artikel in der 'Wiener Zeitung' gegeben, wo sie das Flex hinuntergeschrieben haben", ärgert er sich. Beim ersten Anruf des Journalisten habe er ein Gespräch also abgelehnt.

Drei Wochen später sei er auf dem Weg in den Urlaub gewesen, als das Telefon wieder klingelte. "Da hat der Herr etwas von der Wand gesagt. Ich war am Rande des Nervenzusammenbruchs und habe ihm gesagt, er soll mir den Buckel runterrutschen." Was der Redakteur nicht tat, sondern den Artikel veröffentlichte.

Shitstorm nach Veröffentlichung

Welche Folgen das für Eller, der im Prozess gelegentlich aufbraust, hatte? "Es hat, wie man heute sagt, einen Shitstorm gegeben. Und im Jänner hat mich am Ende eines siebenjährigen Betriebsanlagengenehmigungsverfahrens die Amtsleiterin darauf angesprochen, dass sie gelesen habe, dass etwas nicht stimme."

Spreitzer weist den Antrag dennoch nicht rechtskräftig ab, er sieht die journalistische Sorgfalt gewahrt. "Der Redakteur hat bei verschiedenen Stellen recherchiert und auch Herrn Eller zweimal kontaktiert. Der hatte aber, wie man auf gut Wienerisch sagt, einen Pick auf die 'Wiener Zeitung' und wollte nicht reden." Dass die DHK offenbar eine falsche Auskunft erteilt habe, könne man dem Journalisten nicht vorwerfen. (Michael Möseneder, 12.6.2017)

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