Zweifel an Erklärung für das legendäre Wow!-Signal

Ansichtssache18. Juni 2017, 17:11
26 Postings
Bild 1 von 17
foto: big ear radio observatory / north american astrophysical observatory (naapo).

Wow!-Effekt mit Wenn und Aber

Am 15. August 1977 registrierte das "Big Ear"-Radioteleskop in Ohio im Rahmen der SETI-Initiative ein Signal, das zur Legende werden sollte: Es handelte sich um einen einmaligen 72-sekündigen Ausbruch auf einer Frequenz von etwa 1420 MHz, der aus der Richtung des Sternbilds Schütze kam und sich um das 30-Fache der Standardabweichung vom kosmischen Hintergrundrauschen abhob. Der Astronom Jerry Ehman kritzelte "Wow!" neben den Messwert, und schon hatte das Wow!-Signal seinen Namen und sollte über Jahrzehnte hinweg zum Gegenstand von Spekulationen werden. Steckte etwa eine künstliche Quelle außerirdischen Ursprungs dahinter?

Eine heuer veröffentlichte Studie machte dem Wow!-Effekt ein schnödes Ende: Ein Team um Antonio Paris vom St. Petersburg College legte neue Fakten für seine schon ältere Hypothese vor, dass Kometen hinter dem Signal gesteckt hätten. Die Frequenz des Signals hatte ohnehin verdächtig nahe an der vom Hyperfeinstruktur-Übergang des neutralen Wasserstoffs im Universum gelegen. Die Kometen 266P/Christensen und 335P/Gibbs hätten sich 1977 in der Himmelsregion befunden, aus der man das Signal empfing. Als sich diese heuer wieder an der richtigen Stelle befanden, konnten die Forscher die Werte vergleichen und stießen auf eine weitgehende Übereinstimmung. Riesige Wolken aus Wasserstoff, die die Kometen umgeben, sollen die natürliche Signalquelle gewesen sein.

Diese Erklärung stieß nun ihrerseits auf Skepsis: Zum einen – erwartungsgemäß – bei SETI-Leiter Seth Shostak, aber auch beim Wow!-Entdecker selbst. Jerry Ehman glaubt zwar nicht an einen außerirdischen Sender, aber auch nicht an Paris' Kometenhypothese: Eine diffuse Wasserstoffwolke könne nicht erklären, dass das Signal so kurz war und sich nach dem abrupten Ende nie wiederholt hat. Paris gibt das zu und vermutet, dass ein Fehler im Teleskop dahintergesteckt haben könnte. Das lässt sich aber leider nicht mehr nachweisen, denn das "Big Ear"-Teleskop gibt es nicht mehr. Der Disput kann also weitergehen.

weiter ›
    Share if you care.