VW Arteon: Was hinter der Jalousie steckt

    9. Juni 2017, 16:17
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    Der Name wirkt ein bisserl gekünstelt, das Auto ganz und gar nicht: Mit dem Arteon bekommt Volkswagen ein neues Flaggschiff. Ein Andockversuch in der Oberklasse.

    Hannover – Ein Vollsortimenter solle Volkswagen werden, unabhängig davon, dass im Premiumbereich schon Audi positioniert sei, meinte der seinerzeitige große Vorsitzende Ferdinand Piëch über seine Pläne, mit Phaeton und Touareg in die Oberliga vorzustoßen und so mit der Marke VW vom Kleinstwagen bis zur Luxuslimousine alles anzubieten. Hat mit dem Touareg prächtig funktioniert, der Phaeton indes war zwar ein tolles Auto, floppte aber: Luxuslimo und Volkswagen, das ging für die betuchte Klientel dieser Welt imagemäßig nicht so recht zusammen.

    foto: volkswagen
    Die Front mit dem Jalousiegrill ist vermutlich das Gewöhnungsbedürftigste am Arteon, sieht aber in echt besser aus als auf Fotos. Der Rest ist elegante Limousine mit angenehm reduzierter Linienführung, langer Motorhaube und fließendem Körper. Fahrwerk und Handling passen zur äußeren Erscheinung.

    Zwischen Passat und Phaeton klaffte dann eine ordentliche Lücke, die man mit Passat CC, später nur mehr CC, zu schließen gedachte. Dessen Nachfolger heißt jetzt Arteon – Ars und Äon klingen darin an; ars longa, vita brevis (die Kunst ist dauerhaft, das Leben kurz), wussten schon die Alten. Jedenfalls positioniert er sich damit namentlich bewusst neu und markiert in Europa nun das obere Ende von Volkswagen, jedenfalls im Limousinenbau. In China gibt's darüber noch den Phideon.

    foto: volkswagen
    Filigraner gezeichnet, weckt das Heck am ehesten Assoziationen zum Vorgänger CC.

    Und was für ein feiner Gran Turismo. Große Klappe für einen großen Kofferraum. Eleganter, coupéhaft geschwungener Korpus, der Arteon schließt in dem Punkt bewusst an den CC an. Neuartiges, in den Lamellen-, den Jalousiegrill integriertes Vieraugengesicht. Gut, das wirkt auf den ersten Blick fast zu viel des Guten, sieht in echt dann aber doch halbwegs passabel aus. Ginge es nach den Chinesen, sähe es noch lamelliger aus.

    foto: volkswagen
    Der große Kofferraum erschließt sich via Heckklappe.

    Mehr als nur passabel sind die Platzverhältnisse, speziell die für die hinteren Insassen. Wenn denen vom Sitzen langweilig wird, können sie ein wenig im Arteon lustwandeln. Gut, gut, das ist jetzt dramatisch übertrieben, aber das Raumangebot ist schon sehr mondän. Das liegt am Quereinbau der Motoren und am langen Radstand, mit 2,84 Metern ident mit dem des Skoda Superb – der VW toppt damit auch die direktesten Gegner: BMW 4er Gran Coupé (2,81 m) und Audi A5 Sportback (2,82).

    foto: volkswagen
    Innen ist der Arteon ein feiner Pinkel. Das Jalousienmotiv taucht im Lüftungsbereich wieder auf – und ein riesiger 9,2-Zoll-Touchscreen.

    Drinnen geht's elegant zu, allerdings bleibt der Arteon vielleicht doch etwas zu nahe am Passat; scheint, das "Art" vorm "-eon" ist hier als "nach Passat-Art" zu verstehen. Und hinsichtlich Materialanmutung muss wohl auch der Abstand zu Audi gewahrt bleiben.

    foto: volkswagen
    Rollt souverän und federt entspannt.

    Richtig was her macht der Arteon nicht nur bei der Außenerscheinung, sondern auch im Fahrbetrieb. Er rollt souverän ab, federt super entspannt und komfortabel. Das fühlt sich schon sehr nach Königsklassennäherungswert an. Kein Wunder, die haben das adaptive Fahrwerk DCC eigens komplett neu adaptiert. Mit drei Motoren sowie Frontantrieb und Allrad legt der Arteon los, bis Spätherbst kommen drei weitere dazu. (Andreas Stockinger, 9.6.2017)

    foto: volkswagen

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    Volkswagen

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