Chinesische Kunst: Trouvaillen des Geistes

12. Juni 2017, 17:11
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Buchserie über die Geschichte der Malerei – nicht nur im "Reich der Mitte"

Im übertragenen Sinn könnte man die Initiative der chinesischen Gelehrten der Zhejiang-Universität, im Auftrag des Staates eine aus 100 großformatigen Bänden bestehende Buchserie über die Geschichte der Malerei als bibliophilen Heiligenschrein der Kunst beschreiben. Man könnte es als Memento mori interpretieren, als schöngeistiges Mahnmal des Bewahrens. Wider die Vergänglichkeit. Knapp die Hälfte der Bände ist bereits erschienen, sie befassen sich mit jahrtausendealter Tradition chinesischer Kunst. Dass allen Dynastien, Regionen und Ethnien aus dem "Reich der Mitte" gehuldigt wird, zeigt das präsentierte Beispiel – eine Publikation über Wandfresken eines tibetanischen Klosters. Perfekt inszeniert von Wang Xiaosong.

Kein kommerzielles Ziel

Die zweite Hälfte der in Progress befindlichen Serie ist, abgesehen von der detailverliebt-exklusiven Ausstattung und der unerreichten Qualität, in einem weiteren Aspekt von Bedeutung. Gerade in einer Zeit, die global der Abschottung und dem Protektionismus frönt, ist es bemerkenswert, dass diese Bände Künstlern jenseits der Großen Mauer gewidmet sind.

Klar definiert dies den Respekt der Volksrepublik China gegenüber allen Kulturen der Welt. Das Projekt verfolgt keinerlei kommerzielles Interesse, keinerlei utilitaristisches Ziel, es geht um Präsentation des Guten, Wahren und Schönen. Weltweit sind Kunstagenten unterwegs, um das OEuvre der wichtigsten Künstler zu dokumentieren. Der Reigen reicht von alten Meistern bis zu Picasso, Cézanne, Miró et alii. Dass Österreich mit Bänden über Klimt, Schiele, die Secessionisten vertreten sein wird, ist Kurator Josef Schütz zu verdanken.

Das ambitionierte Projekt ist aber mehr als nur Kunst, ist Diplomatie, angewandte Buchkunst und dient der Völkerverständigung. Im Sinne des weisen Konfuzius: "Wenn der Wind der Erneuerung weht, dann bauen die einen Menschen Mauern, die anderen Windmühlen." (Gregor Auenhammer, 12.6.2017)

Zhejiang University Press (Hrsg.), "Ngari Mural Paintings. The White Temple of the Tholing Monastery". Zhejiang University 2017

  • Man kann die Farbe förmlich riechen, schmecken, die Konturen fühlen und Gedanken lesen, so herausragend und real erscheint die Qualität der Reproduktion ...
    foto: buchkunst in perfektion, mit papyri, prägungen und büttenpapier, fotografiert von thomas korn.

    Man kann die Farbe förmlich riechen, schmecken, die Konturen fühlen und Gedanken lesen, so herausragend und real erscheint die Qualität der Reproduktion ...

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