Französischer Fotoreporter aus Türkei ausgewiesen

9. Juni 2017, 19:42
7 Postings

Depardon einen Monat in Gaziantep inhaftiert – Macron "sehr glücklich"

Istanbul – Die Türkei hat den französischen Fotoreporter Mathias Depardon nach einem Monat in Haft ausgewiesen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich am Freitag "sehr glücklich" über die anstehende Rückkehr des Fotografen. Der Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF), Christophe Deloire, sagte, der 37-Jährige sei auf dem Weg von Gaziantep nach Istanbul und solle noch am Abend die Türkei verlassen.

Der 37-Jährige, der seit mehreren Jahren als freier Journalist in Istanbul lebt, war am 8. Mai in Hasankeyf festgenommen worden, als er für eine Reportage für das Magazin "National Geographic" arbeitete. Trotz eines Ausweisungsbescheids saß er seitdem fest. Am Donnerstag hatte er erstmals Besuch von seiner Mutter im Abschiebezentrum von Gaziantep erhalten.

Macron hatte sich am 3. Juni bei seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan für die Freilassung Depardons eingesetzt. Die Türkei steht international wegen der Einschränkung der Pressefreiheit und der Verfolgung kritischer Journalisten in der Kritik. In den vergangenen Monaten wurden bereits zwei ausländische Reporter ausgewiesen.

Zudem befindet sich der deutsch-türkische "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel seit fast vier Monaten in Istanbul in Haft. Ende April wurde außerdem die deutsche Journalistin Mesale Tolu festgenommen. Laut der Plattform für unabhängigen Journalismus P24 sind derzeit 167 Journalisten in der Türkei in Haft – mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf bei einer Pressekonferenz mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel am Montag europäischen Geheimdiensten vor, ihre Agenten als Journalisten in die Türkei zu schicken. Dieser Vorwurf stieß international sowie in der türkischen Presse auf scharfe Kritik. Erdogan hatte bereits zuvor Yücel als deutschen Agenten bezeichnet.

Yücel werden wegen seiner Artikel in der "Welt" über den Kurdenkonflikt und den versuchten Militärputsch vom 15. Juli 2016 "Volksverhetzung" und "Terrorpropaganda" vorgeworfen. Tolu, deren türkischer Mann ebenfalls inhaftiert ist, wird der Verbindung zu verbotenen linken Gruppen verdächtigt.

Frankreichs Innenminister Gerard Collomb sagte, die Freilassung Depardons sei eine "exzellente Botschaft". Er würdigte die positive Rolle des französischen Botschafters in Ankara in dem Fall. Der RSF-Generalsekretär Deloire sagte, Depardons Inhaftierung sei "absolut ungerechtfertigt" gewesen. "Es ist ein verlorener Monat im Leben eines Menschen", sagte er. (APA, 9.6.2017)

    Share if you care.