Alpenbäche nehmen nach wärmeren Wintern weniger CO2 auf

11. Juni 2017, 13:31
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Schweizer Forscher untersuchten die CO2-Bilanz von Zuflüssen der Ybbs

Lausanne – Durch den Klimawandel verändert sich das Ökosystem der Alpen. Am auffälligsten ist dabei, dass im Winter immer weniger Schnee fällt. Das hat auch Auswirkungen auf die Bergbäche, wie eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) zeigt: Nach wärmeren Wintern stoßen Bäche mehr CO2 aus, als ihre Ökosysteme durch Fotosynthese aufnehmen.

Bäche, Seen und Flüsse der Alpen geben natürlicherweise CO2 an die Atmosphäre ab. Nach einem warmen Winter verschiebt sich jedoch das Gleichgewicht zwischen Ausstoß und Aufnahme von CO2, berichten Forscher um Tom Battin im Fachblatt "Ecosystems".

Wintervergleich

Für ihre Studie verglichen die Wissenschafter Daten aus dem unauffälligen Winter 2012/2013 mit dem darauffolgenden, ungewöhnlich warmen Winter. Nach dem "normalen" Winter nahmen die Bergbäche demnach während eines Zeitfensters von 70 Tagen durch Fotosynthese mehr CO2 auf als sie natürlich produzierten.

"Nach einem warmen Winter mit wenig Schneefall verringert sich jedoch der Effekt der Fotosynthese im Frühling", sagte Studienautorin Amber Ulseth. "Die Wasserläufe geben also mehr Kohlendioxid ab, als sie aufnehmen. Das Zeitfenster verschwindet und die Bergbäche werden zu Nettoproduzenten von CO2."

Moderne Messsysteme

Für ihre Studie platzierten die Wissenschafter über 18 Monate hinweg moderne Umgebungssensoren in zwölf Zuflüssen der Ybbs in den österreichischen Voralpen. Mit den zwischen 700 und 1.500 Meter verteilten Sensoren konnte erstmals das gesamte Wasserökosystem der Region gemessen werden. Alle fünf Minuten wurden Daten zu Veränderungen des Lichts, der Temperatur und des Sauerstoffgehalts gemessen. Daraus ließen sich Rückschlüsse auf die CO2-Flüsse ziehen.

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschafter die Untersuchungen mit zwölf Bergbächen in der Schweiz vertiefen. In diesen höher gelegenen und weitläufigeren Regionen sollen während drei Jahren noch feinere Messungen erfolgen: Neue Sensoren erfassen nicht mehr nur drei, sondern zehn verschiedene Parameter im Fünf-Minuten-Takt. (APA, 11.6.2017)

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