Affäre um ehemaligen FBI-Direktor: Ehrlichkeit statt Treue

Kommentar8. Juni 2017, 17:59
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Die Bundespolizei darf nicht in die Nähe des Geruches politischer Arrangements oder Abhängigkeiten geraten

Dass ein Fußballtrainer Loyalität verlangt: logisch. Er muss ein schlagkräftiges Team bilden und darauf vertrauen können, dass jeder einzelne Spieler das tut, was der Meister verlangt. Dass der Chef eines Unternehmens Loyalität verlangt: na klar. Er muss wissen, auf wen er zählen kann und wer den schwierigen Weg bis zum erhofften geschäftlichen Erfolg mitgehen will. Und sogar ein Regierungschef kann Loyalität von den Ministern verlangen, um ein Regierungsprogramm umzusetzen.

Dass aber der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – des selbsterklärten Leuchtturms der Demokratie – vom Chef der Polizeibehörde FBI den Treueschwur einfordert, ist gelinde gesagt: kühn. Oder es zeugt von bodenloser Ahnungslosigkeit darüber, wodurch sich das Universum der Privatwirtschaft von jenem der Politik unterscheidet – und sie tun das aus guten Gründen.

Als James Comey Donald Trump antwortete, er könne ihm nicht Loyalität, sondern "nur" Ehrlichkeit geben, muss ihm klar gewesen sein, dass er seinen Job verlieren würde. Dennoch tat der FBI-Direktor, der wegen seines Verhaltens in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton selbst durchaus umstritten ist, das einzig Richtige: Die Bundespolizei darf nicht einmal in die Nähe des Geruches politischer Arrangements oder gar Abhängigkeiten geraten. Das muss sogar der aktuelle US-Präsident einsehen – auch und vor allem dann, wenn es Ermittlungen in seinem Umkreis gibt. (Gianluca Wallisch, 8.6.2017)

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