Schon Embryos reagieren auf Gesichter

10. Juni 2017, 10:00
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Kurioses Experiment: Britische Forscher projizierten Lichtmuster in den Uterus von Probandinnen

Lancaster – Babys reagieren auf Gesichter besonders interessiert. Und das gilt offenbar bereits für Ungeborene, berichten britische Forscher im Fachmagazin "Current Biology". Herausgefunden hatten sie es in einem kuriosen Experiment.

Dafür projizierte das Team um Vincent Reid von der Universität Lancaster Lichtmuster durch das Gewebe in den Uterus von 39 Probandinnen und studierte dann per Ultraschall die Reaktionen der Föten auf die unterschiedlichen Muster in ihrem Gesichtsfeld. Es handelte sich dabei um stark vereinfachte Gesichtsdarstellungen, die richtig- und falschherum ins Sichtfeld der Föten projiziert wurden – die umgekehrten waren somit ein Muster, auf das die menschliche Gesichtserkennung nicht anspricht.

Ergebnis und Folgerungen

Das Team stellte fest, dass Ungeborene in der 34. Schwangerschaftswoche den Kopf deutlich häufiger in Richtung der "Gesichter" drehten als in die der anderen Muster. Das lag nicht unbedingt auf der Hand: Sie hätten sich auch allen Mustern gleichermaßen zuwenden können – einfach nur deshalb, weil es sich um einen neuartigen Reiz handelt.

Die Forscher schließen daraus, dass die Präferenz für Gesichter bereits im Mutterleib beginnt und keines Lernprozesses nach der Geburt bedarf. Außerdem bestätigen die Versuche Annahmen über das Sehvermögen von Föten und dass es innerhalb der Gebärmutter keineswegs vollständig dunkel ist.

Reid rät Schwangeren allerdings ausdrücklich davon ab, das Experiment auf eigene Faust mit einer starken Lichtquelle nachzustellen. (red, 10. 6. 2017)

  • Föten in der 34. Schwangerschaftswoche reagieren auf "Gesichter" ganz ähnlich wie bereits geborene Babys, fanden britische Forscher heraus. Als Gesicht gilt hier die Formation von zwei oberen Punkten und einem unteren.
    foto: kirsty dunn & vincent reid

    Föten in der 34. Schwangerschaftswoche reagieren auf "Gesichter" ganz ähnlich wie bereits geborene Babys, fanden britische Forscher heraus. Als Gesicht gilt hier die Formation von zwei oberen Punkten und einem unteren.

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