Körperverletzungsprozess: 14 Inder und ihre Eisenstangen

9. Juni 2017, 08:00
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Über ein Dutzend Angeklagte sollen immer wieder mit einer verfeindeten Gruppe aneinandergeraten sein. Der Prozess ist kompliziert

Wien – Die Hauptleidtragende im Prozess gegen 14 Angeklagte ist zweifelsohne Frau T., die Schriftführerin. Der Grund: Zehn der Angeklagte haben denselben, mit S beginnenden Nachnamen, bei weiteren drei ist er zumindest Namensbestandteil. Was es ziemlich schwierig macht, der Verhandlung um mehrere Schlägereien zu folgen, erst recht, wenn man dabei ein Protokoll tippen muss.

Eine weitere ungewöhnliche Folge: Christian Werner, einer der Verteidiger, verspricht im Eröffnungsplädoyer dem Schöffensenat unter Vorsitz von Daniela Zwangsleitner, nur Vornamen zu verwenden. Als ihm doch einmal "S." herausrutscht, entschuldigt er sich sofort. Selbst die handgeschriebenen Namenskärtchen, die die Männer vor sich halten, helfen wenig.

Vier Schlägereien in Wien

Die unbescholtenen Angeklagten stammen ursprünglich alle aus Indien, ihnen werden in wechselnder Zusammensetzung mehrere Straftaten vorgeworfen. Zwischen Ende Juni und Ende Oktober 2016 soll es zu vier Auseinandersetzungen mit einer rivalisierenden Gruppe gekommen sein. Auseinandersetzungen, bei denen auch mit Eisenstangen zugeschlagen wurde und Knochen brachen.

Die Schauplätze waren quer über Wien verteilt, der originellste Tatort war das Gasometer, wo es bei einem Konzert von Babbu Maan vor dem WC zu einer Prügelei kam. Gemein ist allen Vorfällen, dass die Kräfteverhältnisse nicht ganz gerecht gewesen sind: Die Angreifer waren immer mindestens in der zweifachen Überzahl.

Die Verantwortung der Angeklagten ist unterschiedlich. Ein Teil gesteht einzelne Anklagepunkte, vor allem dann, wenn es Bilder oder Videomaterial gibt. Andere sagen, sie seien vor Ort gewesen, hätten aber nicht zugeschlagen oder -getreten. Der Rest leugnet, überhaupt etwas mit dem Konflikt zu tun zu haben. Einig sind sich aber alle, dass die andere Gruppe genauso brutale Angriffe verübt hat.

Indisches Grundstück als Konfliktstoff

Zwangsleitner versucht auch herauszufinden, was den Konflikt überhaupt ausgelöst hat. Die Auskunftsbereitschaft ist endenwollend. Beispiel Barinder S.: "Wissen Sie, worum es bei dem Streit gegangen ist?", fragt die Vorsitzende ihn. "Das weiß ich nicht." – "Bei der Polizei haben Sie noch gesagt, um einen Streit um ein Grundstück in Indien." – "Ja. Aber das habe ich erst nachher erfahren." Aus einer anderen Aussage kristallisiert sich heraus, dass auch die Aufteilung der Reviere als Zeitungsausträger eine Rolle spielen dürfte.

Der verworrene Prozess ist auf mehrere Tage angesetzt, vielleicht hat die Schriftführerin Glück und entkommt dem nächsten Termin. (Michael Möseneder, 9.6.2017)

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