Eurozone wächst doppelt so stark wie USA

8. Juni 2017, 15:41
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Die Wirtschaftsleistung der Eurozone legt im ersten Quartal um 0,6 Prozent zu – Österreich ist im Schnitt

Luxemburg/Frankfurt – Die Eurozone ist im ersten Quartal dank des privaten Konsums und mehr Investitionen doppelt so stark gewachsen wie die weltgrößte Volkswirtschaft USA. Das kräftige Plus dürfte den Befürwortern eines baldigen Ausstiegs aus der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB weitere Argumente liefern.

Von Jänner bis März legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum um 0,6 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Eine frühere Schätzung hatte noch auf 0,5 Prozent gelautet. Die USA hatten dagegen im Auftaktquartal nur ein Plus von 0,3 Prozent erzielt. Österreich lag mit plus 0,6 Prozent genau im Durchschnitt.

Investitionen nehmen wieder zu

Das Comeback bei den Investitionen sorge für Rückenwind, kommentierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die Daten. "Wir sehen in diesem Jahr endlich die Trendwende bei der Investitionstätigkeit." Die Unternehmer würden Schritt für Schritt mutiger und die guten Finanzierungsbedingungen nutzen.

Die Daten werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) genau beobachtet. Experten zufolge werden die Währungshüter nach ihrer Sitzung in der estnischen Hauptstadt Tallinn an diesem Donnerstag die Risiken für das Wachstum voraussichtlich erstmals seit langem als ausgeglichen beschreiben. Bis jetzt überwogen für sie noch die Gefahren. Ein solches Signal würde am Finanzmarkt als Hinweis verstanden, dass die expansive Geldpolitik nicht auf Dauer angelegt ist. In Deutschland waren zuletzt wegen der positiven Wirtschaftsentwicklung die Rufe nach einem Eindämmen der Geldflut wieder lauter geworden.

Spanien an der Spitze

Unter den vier größten Ländern der Eurozone schaffte Spanien mit 0,8 Prozent das kräftigste Wachstum. Deutschlands Wirtschaft wuchs um 0,6 Prozent, Frankreich und Italien jeweils um 0,4 Prozent. Die gesamte Staatengemeinschaft der EU schaffte ein Plus von 0,6 Prozent. Auch in Griechenland nahm das Bruttoinlandsprodukt überraschend um 0,4 Prozent zu. Damit wurde eine frühere Schätzung kräftig nach oben revidiert, die für das schuldengeplagte Land noch ein Minus von 0,1 Prozent und damit einen Rückfall in die Rezession angenommen hatte. Volkswirte sprechen bei zwei aufeinender folgenden Minus-Quartalen von einer Rezession.

Die EU-Kommission sagt der Eurozone für 2017 und 2018 eine positive Entwicklung voraus. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach heuer um 1,7 Prozent zulegen. Für das nächste Jahr werden dann 1,8 Prozent erwartet.

EZB hebt Wachstumsprognosen an

Die EZB hat unterdessen ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone für die Zeit bis 2019 leicht angehoben. Ihre Inflationserwartungen schraubten die Notenbank-Experten aber etwas herunter, wie die Währungshüter am Donnerstag mitteilten. Danach erwarten die EZB-Fachleute für 2017 eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um 1,9 Prozent. Noch im März wurden 1,8 Prozent vorhergesagt.

Für 2018 rechnen sie dann mit 1,8 (März: 1,7) Prozent, für 2019 mit 1,7 (1,6) Prozent. Das Wachstum in der Eurozone sei stärker als bisher angenommen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Die Europäische Zentralbank beschreibt die Risiken für das Wachstum erstmals seit langem als ausgeglichen. Bisher hatten nach Einschätzung der Notenbank die Gefahren überwogen.

Die Verbraucherpreise dürften 2017 den neuen Prognosen zufolge aber nur noch um etwa 1,5 Prozent zulegen. Noch im März wurden 1,7 Prozent erwartet. Doch der vor allem ölpreisgetriebene Anstieg hatte sich im Mai deutlich abgeschwächt. Für 2018 rechnen die EZB-Volkswirte nun mit 1,3 (März: 1,6) Prozent und für 2019 mit 1,6 (1,7) Prozent. Die EZB strebt Werte von knapp unter zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. (APA/Reuters, 8.6.2017)

  • Die Maßnahmen in Griechenland beginnen zu greifen.

  • Artikelbild
    foto: apa/helmut fohringer
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