Raqqa: Anti-IS-Allianz stößt auf heftigen Widerstand

8. Juni 2017, 21:09
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Kämpfer errichten Straßensperren gegen Angreifer mit Autobomben

Raqqa – Die von den USA gestützten Kämpfer gegen die Jihadistenmiliz IS sind am Mittwoch beim Einmarsch in die syrische IS-Hochburg Raqqa auf heftigen Widerstand gestoßen. IS-Milizionäre nahmen die Kämpfer des kurdisch-arabischen Bündnisses SDF mit schwerer Munition und bewaffneten Drohnen unter Beschuss, berichtete ein AFP-Korrespondent aus Raqqa.

Die SDF-Angehörigen verbarrikadierten Ausfahrtstraßen mit Reifen, um Anschläge mit Autobomben abzuwehren, berichtete er weiter. Sie versuchten, ihre Kampffahrzeuge und Munition vor den Angriffen in Schutz zu bringen. Über dem von den SDF-Einheiten besetzten Stadtteil al-Meshleb stieg Rauch auf.

Schwere Kämpfe

Ein hochrangiger SDF-Vertreter sprach von "schweren Kämpfen" in Raqqa. "Sie haben eine Menge Minen in den Wohngebieten gelegt, aber wir kommen voran", fügte er hinzu. Gedeckt werde der Vormarsch von Luftangriffen der US-geführten internationalen Allianz.

Luftangriffe

Die syrische Regierung hat sich staatlichen Medien zufolge in die Vertreibung der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) aus Raqqa eingeschalten. Die Luftwaffe habe Stellungen und gepanzerte Fahrzeuge rund 70 Kilometer westlich der Stadt in Nordsyrien zerstört, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SANA am Donnerstag.

Die Luftangriffe galten Zielen entlang der Schnellstraße, die Raqqa und die von syrischen Truppen eroberte Stadt Aleppo verbindet.

Sorge um Zivilbevölkerung

Die Vereinten Nationen sind angesichts des Vormarsches auf die von den Dschihadisten gehaltene Stadt Al-Raqqa in Syrien zutiefst besorgt um die Sicherheit der Zivilisten in der Stadt. Durch Luftangriffe und Beschuss sei zuletzt verstärkt auch zivile Infrastruktur getroffen geworden, teilte die Sprecherin des UNO-Nothilfebüros OCHA, Linda Tom, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Seit Beginn der Woche seien neun Menschen getötet worden. Daneben seien mehrere Schulgebäude, eine Bank, ein Museum und eine Moschee getroffen worden. Mehr als 95.000 Menschen hätten die Stadt bereits verlassen, sagte die OCHA-Sprecherin. Die Organisation geht davon aus, dass bis zu 160.000 Menschen in der Stadt humanitäre Hilfe benötigen.

Menschenrechtsorganisationen warfen indes der Anti-IS-Koalition vor, mit ihrem Vorgehen bei ihrer Großoffensive zur Rückeroberung der nordirakischen Stadt Mosul die Zivilbevölkerung zu gefährden. Bombenangriffe in der dicht bevölkerten Altstadt von Mossul und der Einsatz von nicht präzisionsgelenkten Granaten stellten "außerordentliche Risiken für die Zivilisten" dar, erklärte die Nahost-Direktorin von Human Rights Watch (HRW), Lamah Fakih, in dem Appell vom Donnerstag

Die syrische Stadt Raqqa gilt als Hochburg der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) – am Dienstag waren die Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) nach einem siebenmonatigen Vormarsch in die Stadt eingedrungen. Sie riefen die Zivilisten in der Stadt auf, sich von den IS-Stellungen und der Front zu entfernen.

Laut der Anti-IS-Koalition flohen bereits knapp 200.000 Menschen aus Raqqa. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge befinden sich noch immer 160.000 Zivilisten in der Stadt. (APA, 8.6.2017)

  • Rauchwolke über dem Stadtteil al-Mishlab
    foto: reuters/rodi said

    Rauchwolke über dem Stadtteil al-Mishlab

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