Türkei erlaubt Stationierung von Truppen in Katar

7. Juni 2017, 17:19
105 Postings

Appelle zur Mäßigung häufen sich – Auch US-Präsident Donald Trump ruft zu Einheit am Golf auf – Sorge um Stabilität in der Region

Nach einem Telefongespräch mit dem saudischen König Salman hat US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Mittwoch an die Einheit des Golfkooperationsrates appelliert. Diese sei entscheidend für die Bekämpfung des Terrorismus und um die Stabilität in der Region zu gewährleisten. In einem Gespräch mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani, drängte er auf eine Lösung. Nur Stunden zuvor hatte Trump in mehreren Tweets die Strafaktion der Nachbarn gegen Katar gelobt.

Die Operationen auf der US-Militärbasis in Katar seien von der Krise nicht betroffen, teilte sein Verteidigungsministerium mit und unterstrich, dass Katar mit 10.000 Soldaten für die US-Strategie eine Schlüsselrolle spiele.

Die Türkei stellte sich am Mittwoch resolut an die Seite Katars. Das Parlament in Ankara beschloss am Mittwochabend ein Gesetz, das es erlauben soll, türkische Soldaten in einer Basis im Emirat zu stationieren. Katar hat mit der Türkei zudem Kontakte aufgenommen, um die Lebensmittelversorgung sicherzustellen, nachdem die Grenze mit Saudi-Arabien geschlossen und so die Versorgung unterbrochen wurde.

Nach einem CNN-Bericht sollen russische Hacker in die katarische Nachrichtenagentur eingedrungen sein. Ende Mai waren dort verfälschte Äußerungen Scheich Tamims aufgetaucht, der gesagt haben soll, Feindschaft gegen den Iran sei nicht weise – der Auslöser für die Eskalation des Streites mit den Nachbarn, die mit dem Iran sehr wohl verfeindet sind.

Russland dementiert Hacking

Das FBI ist an der Aufklärung dieses Hackerangriffes beteiligt. Moskau wies die Vorwürfe zurück, es gebe keine Beweise. Die saudisch beeinflussten Medien weisen die Berichte über Hacking überhaupt als falsch zurück. Fakten und Propaganda sind in diesem Zerwürfnis kaum mehr auseinanderzuhalten: Arabische Medien haben etwa, gestützt auf ungenannte ägyptische Quellen, am Mittwoch berichtet, iranische Revolutionsgarden würden den Palast des Emirs in Doha bewachen.

Mit einem Besuch beim saudischen König Salman in Riad setzte Scheich Sabah von Kuwait derweil die Vermittlungsbemühungen fort. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verlangen von Katar konkrete politische Schritte, vor allem ein Ende der Unterstützung von extremistischen Gruppen wie Hamas und Muslimbrüder. Ein Regimewechsel sei nicht das Ziel.

Trotz der vielen weltweiten Appelle zur Mäßigung und zum Dialog – der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel etwa warnte vor einer "Trumpifizierung der Beziehungen in der Region" – stehen die Zeichen immer noch auf Eskalation. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben Sympathiebekundungen für Katar im Internet zu einer Straftat erklärt, die mit hohen Haftstrafen belegt werden kann. Als achtes Land hat sich Mauretanien dem Boykott angeschlossen. Am Montag hatten Saudi-Arabien, die Emirate, Bahrain, Jemen, Ägypten, eine der beiden Regierungen in Libyen und die Malediven alle Beziehungen abgebrochen. Jordanien stufte die Beziehungen mit Doha herunter.

Aber auch Länder wie Marokko, die sich heraushalten wollten, sind betroffen. Airlines mussten alle Flüge umleiten, die über Doha in andere Golfstaaten führen. Zudem dürfen Einwohner Katars in den VAE nicht mehr umsteigen.

Der Streit der Regierungen betrifft auch normale Bürger. Kairo erlaubt immerhin dem Sportsender aus Katar, der praktisch ein Monopol für diverse Sportarten hat, Fußballspiele auszustrahlen. (Astrid Frevel aus Kairo, 7.6.2017)

  • Katar ist vom Pfad abgewichen, den Saudi-Arabien vorgeben will.
    foto: ap / kamran jebreili

    Katar ist vom Pfad abgewichen, den Saudi-Arabien vorgeben will.

    Share if you care.