"Playerunknown's Battlegrounds" im Test: Der Hype ist angebracht

    Rezension9. Juni 2017, 09:00
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    Multiplayer-Shooter schickt Spieler wie "The Hunger Games" in einen Kreis des Lebens und Todes

    "Der ewige Kreis" ist eine bekannte Phrase, die man nicht nur aus dem Intro-Song des "Königs der Löwen" kennt. Die geometrische Form ist seit je her eine beliebte Metapher für die ewige Abwechslung von Leben und Sterben. Auch der Massive-Multiplayer-Shooter "Playerunknown’s Battlegrounds" (PUBG), der seit Wochen enorme Popularität auf der Spieleplattform Steam genießt, macht sich dieses Prinzip auf eine ganz eigene Weise zunutze.

    100 Spieler schickt das Game alleine oder in Teams in ein gnadenloses Rennen, das nur einen Sieger kennt. Auch der GameStandard hat sich in den Überlebenskampf gestürzt.

    Am Anfang war ein Mod

    Einleitend ein kurzer Blick auf die Geschichte des Spiels. "Playerunknown" ist ein bekannter Modder, der unter anderem mit "Battle Royal" für den Taktik-Shooter "Arma 3" die Vorlage für "Battlegrounds" geschaffen hat, das er nun mithilfe des koreanischen Entwicklers Bluehole als eigenständiges Game umsetzt.

    Es ist nicht das erste Videospiel, das ursprünglich eine Erweiterung für die "Arma"-Reihe war. Auch das Multiplayer-Survivalgame mit Zombiethema, "Day Z", dessen Stand-alone-Ausgabe seit gefühlten Ewigkeiten in Arbeit ist, fand so ihren Anfang.

    playerunknown's battlegrounds

    Absturz über Erangel

    In "Battlegrounds" tritt man entweder alleine, zu zweit oder in einem Team aus vier Personen an. Dabei kann man sich entweder gleich mit Freunden verbünden, oder zufällig eine Mannschaft zusammenwürfeln lassen. Spielpartner finden sich in wenigen Momenten, denn der Run auf das Game ist enorm.

    Nach einem kurzen Aufenthalt in einem "Warteareal", in welchem man die Steuerung und den Umgang mit Waffen etwas ausprobieren kann, sitzt man gemeinsam mit der Konkurrenz in einem brennenden Flugzeug mit Kurs auf die Insel Erangel, die der Erfinder nach seiner Tochter benannt hat. In welcher Schneise man über das 64 virtuelle Quadratkilometer große Eiland segelt, ist dabei zufällig.

    Taktischer Absprung

    Per Tastendruck springt man aus dem Flieger. Wer zu lange wartet, wird automatisch rausgeworfen, ehe das Luftgefährt die Karte wieder verlässt. In Skydiving-Manier geht es gen Boden, mittels Fallschirm kann die eigene Reichweite auch noch vergrößert werden. Der Wahl des Landeortes kommt in mehrerlei Hinsicht entscheidende Bedeutung zu.

    Die Insel bietet eine Reihe größerer und kleinerer Orte, verstreute Häuser und verschiedene Anlagen – beispielsweise ein Kraftwerk und eine Militärbasis. Die verlassenen Strukturen und die gesamte, von vielen Hügeln geprägte Landschaft erinnern an Fotos aus der Gegend rund um das 1986 havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl in der heutigen Ukraine. Wer einst im Shooter "Stalker" auf Artefaktjagd gegangen ist, dürfte sich schnell zu Hause fühlen. Die Städte und Anlagen in "PUBG" tragen auch osteuropäisch anmutende Namen.

    Als Faustregel gilt: Je zentraler und dichter bebaut eine Gegend, desto beliebter ist sie unter den Spielern. Denn hier hat man die Aussicht, schnell zu guter Ausrüstung zu kommen, die mittels eines gewichteten Zufallsalgorithmus in den Gebäuden verteilt wird. Denn zu Beginn jeder Runde verfügt man ausschließlich über das eigene Gewand und kann Gegner nur mit den Fäusten attackieren. Sich schnell zu bewaffnen ist also oberstes Gebot, um länger überleben zu können.

    Breites Waffenarsenal

    Zur Verfügung stehen Hieb- und Stichwaffen sowie Schießprügel verschiedenster Ausführung. Das Arsenal reicht von einfachen Pistolen und einer Armbrust bis hin zu Maschinengewehren und Scharfschützenausrüstung. Mitgeführt werden können zwei "große" Waffen, eine Pistole, eine Schlagwaffe sowie Granaten. Dazu lassen sich Erweiterungen wie Sucher, größere Magazine oder Schalldämpfer finden und anbringen. Auch Munition muss aufgesammelt werden.

    Die Tragekapazität ist begrenzt, kann aber über Rucksäcke erweitert werden. Etwas Schutz vor feindlichem Beschuss bieten Helme und Polizeiwesten. Schnellere Fortbewegung ermöglichen diverse fahrbare Untersätze wie Boote, Motorräder oder kleine Transporter.

    Von Kreis zu Kreis

    Aufgepasst werden muss dabei nicht nur auf Gegner, sondern auch auf geografische Gegebenheiten. In Regelmäßigen Abständen definiert das Spiel einen Kreis, der nach Ablauf eines Countdowns zum gültigen Spielareal erklärt wird. Die Grenze ist in Form einer blauen, transparenten "Barriere" sichtbar, die sich um dieses Gebiet schließt. Wer sich außerhalb davon befindet, büßt Lebensenergie ein.

    Der nächste Kreis befindet sich dabei immer innerhalb des letzten und fällt deutlich kleiner aus. Verbliebene Spieler stoßen also trotz der immensen Kartengröße früher oder später zwangsweise aufeinander. Die Notwendigkeit, sich in den festgelegten Bereich zu bewegen (so man nicht schon darin ist) fordert nicht nur einen schnellen Finger am Abzug der Waffe, sondern auch planerisches Geschick.

    Sehen und gesehen werden

    Da es sich sehr empfiehlt, gegnerische Spieler zu sehen, ehe man selbst entdeckt wird, muss man die landschaftlichen Gegebenheiten taktisch für sich nutzen. Ein Lauf über ein freies Feld sollte etwa nur in Erwägung gezogen werden, wenn die Zeit aus kreisbedingten Gründen drängt. Andernfalls ist ein Marsch durch Waldgebiete oder zwischen den Hügeln die ungefährlichere Option.

    Schneller geht es mit einem motorisierten Untersatz, dessen Lärmentwicklung den Gegnern jedoch Aufschluss über die eigene Position geben kann. Aus dem gleichen Grunde ist es auch keine gute Idee, wie ein Berserker gleich auf alles zu schießen, was sich bewegt. Auch Waffeneinsatz kommt häufig einer Preisgabe des eigenen Standorts gleich.

    Strategie-Spielplatz

    Eine absolute Stärke von "PUBG" ist, dass das offene Spielkonzept Platz für Strategien aller Art bietet. Möchte man etwa nicht an mit Gegenständen gut bestückten Orten gleich mit zahlreichen Gegnern in Kampfhandlungen treten, kann man auch versuchen, weiter abseits zu landen, sich ein Fahrzeug zu suchen und abgelegene Ortschaften nach Ausrüstung abzusuchen. Gerade am Anfang gewährt das Spiel dafür noch ausreichend Zeit, die man im weiteren Verlauf nicht mehr hat.

    Es besteht freilich immer die Chance, am Anfang Pech zu haben und den weiteren Überlebenskampf mit schlechterer Ausstattung zu bestreiten. Ein Nachteil, freilich, aber kein Todesurteil. Erspäht man einen Gegner, der gerade ein Haus ausplündert, lässt sich auch mit einer einfachen Pistole immer noch ein Überraschungsangriff durchführen. Gute Schützen sind natürlich immer im Vorteil, da das Spiel Trefferzonen kennt und Kopfschüsse dementsprechend effektiv sind.

    "Lone Wolf" vs. Teamplay

    Einen wesentlichen Unterschied macht auch, ob man alleine oder im Team antritt. Durchstreift man einen verlassenen Häuserblock bei Nebel und Regen, lauschend nach Schritten etwaiger Gegner, so entsteht ein heimelig angespanntes Gefühl des "einsamen Kämpfers". Zu mehrt, jedenfalls unter Freunden, ist die Atmosphäre lockerer, während man zugleich stets mit taktischen Absprachen beschäftigt ist.

    Mit kleinen, durchdachten Elementen verfeinern die Entwickler das Erlebnis. Als Beispiel eignen sich hier die Türen in den Häusern. Diese sind zu Spielstart stets geschlossen. Ein Gebäude mit offener Tür wird oder wurde also wahrscheinlich schon durchsucht, was sich als Abschreckung oder Einladung gleichermaßen verstehen lässt. Natürlich können die Türen auch geschlossen werden, womit man eine Lärmquelle für etwaige Eindringlinge schafft und unvorsichtigen Gästen auflauern kann.

    Außerdem werden regelmäßig zufällige Bereiche der Insel bombardiert, was auf der Karte durch eine rote Markierung vorab angezeigt wird. Wer sich darin befindet, sollte das betroffene Areal entweder verlassen, oder sich in ein Haus begeben. An der frischen Luft droht mit etwas Pech der Tod. Regelmäßig kommt es auch zum Abwurf von Nachschubkisten. Diese enthalten naturgemäß gute Ausstattung, für deren Erbeutung man jedoch einiges Risiko eingehen muss.

    Ingame-Käufe geplant

    "PUBG" belohnt Spieler für jede Runde basierend darauf, wie lange sie durchgehalten haben. Je weniger Gegner oder feindliche Teams noch übrig sind, desto mehr virtuelle Credits gibt es. Diese lassen sich in Booster-Packs investieren, die zusätzliche Kleidungsstücke ins Inventar spülen.

    In Zukunft sollen sich die digitalen Münzen auch gegen echtes Geld erwerben lassen. Die Gegenstände in den Bonuskisten sollen aber, soweit bekannt, keinen spielerischen Vorteil bringen und nur ästhetische Individualisierung erlauben – zumal das Spiel an sich nicht kostenlos zu haben ist.

    playerunknown's battlegrounds

    Early Access

    Doch bevor man sich nun allzu enthusiastisch ins Gefecht stürzt: "Playerunknown's Battlegrounds" ist ein Early-Access-Titel, befindet sich also noch in Entwicklung. Und das ist dem Game auch anzumerken – sei es aufgrund von Framerate-Einbrüchen, kleineren Grafikfehlern oder gelegentlichen Abstürzen. Auch inhaltlich steht noch viel Ausbau bevor, so sind die Möglichkeiten, die eigene Spielfigur anzupassen, noch recht eingeschränkt.

    Immerhin, in Zukunft wird man sich auf mehreren Spielkarten austoben können. Angekündigt wurden eine Map mit mediterranem Flair sowie eine Wüstenstadt. Einen konkreten Termin für ihre Einführung gibt es aber noch nicht.

    Feine Kost für Shooterfreunde

    In Summe ist "PUBG" aber schon in seinem jetzigen Zustand ein spannender Zeitvertreib mit originellem Spielprinzip. Egal ob versierter Rambo oder routinierter "Camper", "Lone Wolf" oder geselliger Teamplayer – wer grundsätzlich etwas mit Online-Shootern anfangen kann, ist auf diesem Schlachtfeld gut aufgehoben. (Georg "peorg" Pichler, 7.6.2017)

    Hinweis: Der Autor hat auch an einem Podcast zu "Playerunknown's Battlegrounds" mitgewirkt. Dieser ist auf rebell.at erschienen.

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    Playerunknown's Battlegrounds

    Steam

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